Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Euchen, den 12.02.2013

Liebe Imkerfreunde,

Zeit, ein Resümee der Oxalsäurebehandlung 2012/2013 zu ziehen.

Die Völker:

Volk 1: besetzt 4 Gassen ZM Anfang 01/13 bei 9,5 °C, schwach, umgeweiselt im Herbst auf Königin 12 (gelb), keine Sommerbehandlung, Sept. Schwammtuch mit AS 60%ig

Volk 2: besetzt 7 Gassen ZM Anfang 01/13 bei 9,5°C, mittel, Königin vom Sommer 12, als Ableger 2 x Milchsäuresprühverfahren im Frühsommer, Sept. Schwammtuch mit AS 60%ig

Volk 3: besetzt 10 Gassen ZM Anfang 01/13 bei 9,5 °C, stark, Königin vom Sommer 12, 4-Waben-Ableger, 2 x Milchsäuresprühverfahren im Juli, keine weitere Behandlung

vom 07.11. 2012 bis zum 14.12. 2012 tägliche Windelkontrolle + Säubern der Windel (38 Tage)  zur Ermittlung des natürlichen Totenfalls (mindestens 7 Tage Ende 10, Anfang 11 reichen vielleicht auch)


natürlicher Totenfall in 38 Tagen:

Volk 1:   13, eigentlich nicht behandlungsbedürftig

Volk 2:   91, muss behandelt werden

Volk 3: 318, trotz der Volksstärke dringend behandlungsbedürftig

 

durchschnittlicher natürlicher Totenfall in 38 Tagen:

Volk 1: 0,3       Volk 2: 2,4       Volk 3: 8,4


Man rechnet bei einer Oxalsäurebehandlung mit einer Erfolgsaussicht zwischen 90 und 96 %. Das hängt vom Maß der Brutfreiheit und vom Geschick bei der Applizierung ab.

Die folgende Graphik ( verändert nach Dr. Liebig 2002 in ADIZ 8/2008, S. 6, Monatsbetrachtung, Aumeier) gibt eine grobe Vorstellung, was nach einer Behandlung zu erwarten ist. Interessant sind die unterschiedlichen Kurven für Mai bis September (rot) und November bis Januar (schwarz). Ein Beispiel für den Sommer gibt Frau Dr. Aumeier. Bei einem durchschnittlichen natürlichen Totenfall pro Tag von 30 Milben, erwartet sie ca. 6.500 Milben auf der Windel. Das entspricht einem Faktor von etwas über 210.

In unserem Fall müssen wir uns für die Prognose an der viel steileren Kurve für den Winter orientieren. Volk 1 lässt sich auf Grund der geringen Größen nicht in die Kurve übertragen, liegt aber geschätzt etwas über 100. Volk 2 und Volk 3 sind eingetragen. Es lassen sich folgende Prognosen ablesen:


Volk 1: 100 + x,  Volk 2: 1.000 + x,   Volk 3: ca. 3.600


gefallen nach Behandlung vom 14.11.12 bis 20.01.13:

Volk 1:      97, das 323fache – nahe bei Prognose – vermutlich hoher Wirkungsgrad

Volk 2: 1008, das 420fache – nahe bei Prognose – vermutlich hoher Wirkungsgrad

Volk 3: 2689, das 320fache – um ca. 1.000 von der Prognose entfernt – Ich meine allerdings irgendwo gelesen zu haben (Liebig), dass der Faktor sinkt, je stärker die Völker sind. Eine Regelhaftigkeit lässt sich aus dieser Einzelfallbeobachtung natürlich nicht ableiten.

– bleibt spannend, zumal man davon ausgeht, dass Völker, bei denen im Winter 1.000 Varroen auf der Windel landen, schon verloren sind, da die Winterbienen durch die Milben, aber vor allem durch Viren, die ja im Volk bleiben, nachhaltig geschwächt sind. Die Durchlenzung wird es zeigen!

Falls Volk 2 u. 3 überleben, wird die Untersuchung des ersten Drohnenschnitts Einsichten über die Höhe der Restvermilbung bringen.

Fazit: Volk 2 und 3 sind zu belastet in den Winter gegangen. Die Fehler sind im Spätsommer gemacht worden. Daraus folgert, was auch allgemein gesagt wird: Ableger, die im Frühsommer mit Milch- oder Oxalsäure behandelt wurden, müssen Ende August, Anfang September auch wieder angesehen werden. Dabei ist der Milbenfall vor dem Eingriff zu ermitteln ( nat. Totenfall von mindestens 3 Tagen) und 14 Tage nach der Applizierung zu kontrollieren (dann dürfen nur noch < 0,5 Milben durchschnittlich pro Tag fallen, wenn darüber: Nachbehandlung).

 

 

 

Abb.1: G. Liebig, 2002 verändert

 

Im Deutschen Bienenjournal (7/2011/S.12f) las ich in einem Artikel aus der Feder von Gerhard Liebig, dass man den  natürlichen durchschnittlichen Totenfall pro x Tag in der Regel mit 100 bis 300 multiplizieren muss.

Die Ergebnisse aus Volk 2 zeigen aber, dass u. U. auch mit 400 und mehr zu rechnen ist. Auch hier stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß die Volksstärke den Faktor beeinflusst.

Die Hypothese, schwache Völker tendenziell hoher Faktor, starke Völker tendenziell niedriger Faktor, bedarf der Verifizierung.

Im Winter geht man von einer Behandlungsnotwendigkeit bei > 0,5 Milben nat. Totenfall im Schnitt aus. Es könnten ja im schlimmsten Fall selbst bei 0,5 Totenfall 200 bis 250 Milben im Volk sein (0,5 x 400; 0,5 x 500).

Auf diesem Hintergrund wird das Gebot der Brutfreiheit vor Behandlung verständlich. Bekanntermaßen wirkt weder Milchsäure noch Oxalsäure in die verdeckelten Brutzellen hinein.

Zitat Dr. Ritter in ADIZ/db/IF 11/2011/S.13: “Bei anhaltender Brutaufzucht bleibt nur der massive Eingriff als Alternative: raus mit der Brut!

Man kann die Brutwaben entnehmen, was jedoch bedeutet, dass man den Bienen das Zentrum ihres Wintersitzes nimmt. Praktikabler ist es, die Brutflächen auszuschneiden oder mit einer Gabel zu zerstören. Um diese Prozedur für die Bienen verträglicher zu gestalten, kann man die Völker bereits in der wärmeren Phase vor einem Kälteeinbruch brutfrei machen. Die Bienen haben dann Zeit, die Wintertraube neu zu ordnen bzw. die zerstörte Brut zu entfernen. Diese im Voraus geplante Brutentnahme bietet sich vor allem dann an, wenn es aus Erfahrung Probleme mit der Brutfreiheit gibt oder die Wetterbeobachtungen keine geeignete Phase erwarten lassen.“

Was der Einsatz eines Infrarot-Scanners als Helfer bei Feststellung  von Bruttätigkeit versus Brutfreiheit an Erleichterung ergeben wird, muss sich zeigen (ADIZ/db/IF/1/2013/S.13f).

 

 

 

 Abb. 2: Vo 3, Totenfallkurve der Varroen nach Ox-Behandlung

 

Wie aus der Abbildung zu ersehen ist, geht der hohe Abfall nach 3 Wochen deutlich zurück. Nach der 5. Woche liegt der Abfall im Schnitt <1. Am 31.01. schießt der Tagesabfall plötzlich auf 29. Am Vortag stieg die Tagestemperatur bis auf 11°C an. Am Gemüll auf der Windel ist am 31.01. zu erkennen, dass die Traube am 30.01. völlig aufgelöst wurde und sich die Bienen über den gesamten Raum verteilten – starke Gemüllstreifen unter allen Wabengassen mit Zuckerkristallen, Deckelschrot und natürlich vielen Milben.

Ich gehe davon aus, dass diese Milben noch verendet in der Traube festhingen und nicht akut abstarben, denn danach fiel die Abfallskurve wieder bis zum Tage praktisch auf 0. Das lässt mich hoffen, dass die Behandlung doch ausreichend wirksam war.

 

Nächste Termine

Zur Zeit sind keine Eintrge vorhanden!

Nach oben