Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Tracheenmilbe – Acarapis woodi


Acarapis ist eine sogenannte Innenmilbe, die in den Brustluftröhren (Tracheen) der Bienen lebt und Lymphe (Körperflüssigkeit) saugt. Im Gegensatz dazu bleibt z.B. die Varroa-Milbe an der Oberfläche des Wirtes und saugt dort durch Anstechen der Brut und der erwachsenen Bienen Lymphe, ist also eine Außenmilbe.

Bei starkem Befall schädigt Acarapis durch den Entzug der Lymphe. Zudem verschorfen die angestochenen Tracheen und behindern die Biene beim Atmen. Da der gesamte Lebensablauf der Milbe sich in den Tracheen der Biene vollzieht, können umso mehr Nachkommen entstehen, je älter die Biene wird. Daraus resultiert, dass äußere Faktoren wie Witterung und Trachtangebot, die ihrerseits Einfluss auf das Alter der Bienen haben, stark den Umfang der Milbenpopulation beeinflussen.

Die Milbenseuche gilt daher als Faktorenkrankheit.

Heute ist die Tracheenmilbe von sekundärer Bedeutung, da veränderte Betriebsweisen ihre Ausbreitung hemmen. Zudem wird sie von der Bekämpfung der Varroa-Milbe mit erfasst (Verdunstung organischer Säuren und ätherischer Öle).


Tracheenmilbe – Acarapis woodi

Geschichte der Entdeckung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1904) setzte auf der Insel Wight (vor der Südküste Englands) ein rätselhaftes Massensterben unter den Bienenvölkern ein. Nach dem Erreger suchte man zunächst vergeblich. In den Folgejahren häuften sich auch aus England, Wales, Schottland und Irland Berichte über ähnlich desaströse Völkerverluste. Auf der Insel Wight erlosch 1908 nahezu der gesamte Bienenbestand. Das Phänomen wurde dann als „Isle of Wight- Disease“ (Insel Wight-Krankheit) bekannt.

Aber weder der 1909 von E. Zander entdeckte Erreger der Nosema, noch ein Kettenkugelpilz (Bazillus pestiformis), die man zunächst mit der Kalamität in Verbindung brachte, konnten als Erreger bestätigt werden. Erst 1919 entdeckte Ellie Harvey (Uni Aberdeen) in den Brustluftröhren von erkrankten Bienen Milben (Rennie & Harvey, 1919). In der Folge wurde deutlich, dass die Milbe der Auslöser der Insel Wight-Erkrankung war.

Diese zunächst Tarsonemus woodi genannte Milbe wurde dann 1921 von Hirst systematisch anders platziert und als Acarapis woodi bezeichnet.

Nachdem nun der Erreger bekannt war, zeigte sich, dass er ein sehr viel weiteres Verbreitungsgebiet hat, als man zunächst annahm, nicht flächendeckend, aber doch global. Seine sehr unterschiedlich ausgeprägte Virulenz zeigte aber auch, dass seine Gefährlichkeit sehr stark von anderen Umständen abhängt. Die Milbenseuche gilt daher als ausgesprochene Faktorenkrankheit.

Ein Leben als Parasit

Acarapis woodi, die Tracheenmilbe, misst 0,1 mm. Sie lebt in den beiden Hauptstämmen des ersten Luftröhrenpaares im Torax (Bruststück) der Biene. Die Milbe besitzt wie alle Spinnentiere vier Beinpaare. Mit ihrem Saugrüssel durchsticht die Milbe die Tracheenwand und saugt Lymphe (Körperflüssigkeit) der Biene. Die Tracheenwände verschorfen zunehmend und erschweren der Biene das Atmen. Nur Jungbienen in den ersten acht Tagen werden befallen. Nur so lange sind die borsteligen Haare, an den Stigmenöffnungen (Tracheenzugänge) noch weich, so dass die Milben eindringen können. Außerhalb der Tracheen überleben die Milben nur wenige Stunden. Sie klettern von Biene zu Biene. Die Übertragung gelingt daher am ehesten, wenn die Bienen dicht gedrängt im Stock sitzen, wie das bei kühlfeuchtem Wetter der Fall ist. Eine Übertragung mittels Gerät, Waben, Beuten und dergleichen erscheint ausgeschlossen. Der gesamte Lebensablauf der Milbe vollzieht sich in den Luftröhren der Biene – Geburt, Paarung, Tod. Bei Übervölkerung wandern die überzähligen Tiere aus und gehen auf einen neuen Wirt über. Gelingt das nicht, wie dies bei regem Flugbetrieb leicht geschehen kann, gehen sie zu Grunde. Je älter eine Biene wird, umso mehr Generationen von Milben werden in ihren Tracheen geboren. Gutes Tracht- und Flugwetter regt die Bruttätigkeit und die Sammellust im Volk an. Die emsige Arbeit lässt die Flugbienen kürzer leben, so dass sich auf natürlichem Wege die Milbenpopulation verkleinert, im Extremfall erlischt. Daraus wird ersichtlich, dass sowohl das Wettergeschehen, als auch der Imker mit seiner Betriebsweise (Völkerführung) den Befallsgrad beeinflussen kann.

Heute stellt die Milbenseuche kaum noch ein Problem dar. Das liegt sicher auch an veränderten Betriebsweisen in Folge der Varroa-Belastung, direkt aber sicher auch an der Bekämpfung der Varroa mittels Verdunstung von Ameisensäure und Thymol-Kampfer-Präparaten im Herbst nach Trachtende und der Winterbehandlung durch Oxalsäure (systemisch).

 


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