Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Apis – Honigbienen, Arten, Unterarten, Rassen

„Von den „echten Honigbienen“ sind neun Arten bekannt. Als älteste Formen gelten die Zwerghonigbienen (Apis florae, A. andreniformis) und die Riesenhonigbienen (A. dorsata mit den beiden allopatrischen,“ das heißt, „durch geographische Isolierung entstandenen Formen A. d. binghami und A. d. breviligula, und die Himalayabiene A.laboriosa). Die jüngeren Honigbienen-Formen sind Höhlennister, das sind die Indische Honigbiene (A. cerana mit vier Unterarten) und die Westliche Honigbiene (A. mellifera mit mindestens 25 Unterarten). Zusätzlich wurden drei Honigbienen-Arten auf den westlichen Sundainseln (A. koschevnikovi, A. nuluensis, A. nigrocincta) gefunden.“ (KASTBERGER, ADIZ/db/IF 2/2009, S. 24)

Lokal und global ist heute die Welt von einem vielförmigen Bienengemisch bevölkert, das aus ursprünglich deutlich voneinander abgegrenzten Formen entstanden ist.

Für Europa unterscheidet man heute auf Grund morphologischer Befunde einige Unterarten, die sämtlich einer Art, nämlich Apis mellifera L., der Westlichen Honigbiene, zugerechnet werden.

Manche Autoren sprechen auch von Rassen an Stelle von Unterart. Das ist etwas verwirrend, weil in der Taxonomie in der Regel auf Art und Unterart als nächste Differenzierungsstufe die Rasse folgt. Die Unterart entfällt dann in unserem Fall. Die Rasse stellt, bezogen auf die Merkmale, eine weniger deutliche Trennung zur Art dar, als dies bei der Unterart ist. Miteinander fruchtbar zu kreuzen sind alle "Unterarten"/"Rassen" des A.-mellifera-Formenkreises.

Götze schreibt zum Beispiel 1964: "Die Rassen sind Lehzeni But.-Reep. (Heidebiene, gilt als in der reinen Form erloschen), Domestica Ray, Mellifica-nigra Kramer, Carnica Pollm., Ligustica Spin., Caucasica Gorb., Silvarum Alpatov, Acervorum alpa., Uralbiene Dulkin u.a."

Das angestammte Verbreitungsgebiet von Apis mellifera L. erstreckt sich mit den zugehörigen Unterarten von Sibirien über das gesamte Europa und ganz Afrika bis nach Vorderasien - Türkei, Persien, arabischer Raum ( vgl. ZANDER/BÖTTCHER 1982, S. 262 ff).

2002 wurde eine bisher unbekannte, lokal begrenzte Bienenpopulation südlich des Baikalsees im Bereich des Tien Shan entdeckt. Morphologische Untersuchungen weisen sie als eine Unterart von Apis mellifera aus. Sie erhielt daher die Bezeichnung Apis mellifera pomonella (siehe auch K. M. Engfer, 2010). Damit erweitert sich das natürliche Verbreitungsgebiet der Westlichen Honigbiene um ein Beträchtliches nach Südostsibierien und in die nördliche Mongolei.

Mediale Bekanntheit erlangte um 1960 die sogenannte „Killerbiene“. Gemeint ist damit eine Hybride aus europäischen Formen von A. mellifera und der in Ostafrika beheimateten, sehr verteidigungsbereiten Hochlandbiene (Apis mellifera scutellata).

Was war geschehen? Der Genetiker Warwrick E. Kerr kreuzte 1955 in Brasilien 120 Königinnen von A. m. scutellata in Völker europäischer Herkunft ein. Er wollte die guten Flugeigenschaften, den Sammeleifer und die schnellere Entwicklung (15 Tage bis zum Schlupf der Königin) der A. m. scutellata in die europäischstämmigen brasilianischen Populationen einkreuzen. Die Afrikanerinnen brachten aber auch ihre große Schwarmneigung mit, so dass schon 1957 26 Schwärme entkommen waren. Da die Lebensbedingungen im tropischen Brasilien denen der afrikanischen Heimat ähnlich sind, vermehrten sich die Ausreißer gut. Nach vier bis fünf Generationen setzte sich das dominante, afrikanische Genmaterial durch. Das enorme Flugvermögen der afrikanisierten Brasilianer führte dazu, dass die Wildpopulation sich zwischen 300 und 500 Kilometer pro Jahr ausbreitete. Inzwischen haben die Völker den Süden der USA erreicht. Hier scheinen sie als Kinder der Tropen an ihre natürliche Grenze zu stoßen, da sie mit kühlem Klima nicht zurechtkommen. Noch!

Die eigentliche Problematik liegt in der enormen Verteidigungsbereitschaft, eine Erbschaft von A. m. scutellata. Die „Brasilianerinnen“ greifen sehr früh (weit vom Nest entfernt) und nicht einzeln, sondern im Schwarm an. Ihre Giftblase enthält zwar nur ein Drittel der Menge, die man bei A. m. m. misst, was aber wenig besagt, da sie in großer Zahl sticht. Zudem verfolgt sie den wirklichen oder vermeintlichen Störenfried über mehrere hundert Meter.

Immer wieder einmal kommt es so zu schweren bis tödlichen Vergiftungen bzw. anaphylaktischen Schocks bei Mensch und Tier. Daher rührt die etwas reißerische Apostrophierung der afrikanisierten Südamerikanerin als „Killerbiene“. Inzwischen hat man dort gelernt, mit diesen Bienen zu imkern. Man muss sich halt „warm“ anziehen, das heißt: Ganzkörperschutz.

In Mitteleuropa finden sich fast ausschließlich Bienen, die den Unterarten und den Mischformen von Apis m. carnica, der Kärntener/Krainer Biene ( kurz K-Biene genannt), von Apis m. ligustica, der Italiener Biene (I-Biene), von Apis m. mellifera, der Dunklen oder Nord-Biene (N-Biene) und der Apis m. caucasica, der Kaukasus-Biene (Kau-Biene) angehören.

Zunehmend ist auch die Buckfast-Biene von Bedeutung. Im Gegensatz zu den vorgenannten Unterarten, die sich in der letzten Eiszeit in damals voneinander isolierten Gebieten herausbildeten (RUTTNER 1952), wurde die Buckfast-Biene im 20. Jahrhundert von dem aus dem Schwarzwald stammenden Benediktiner-Mönch, Bruder Adam, in der südenglischen Buckfast-Abtei erzüchtet. Auf der Basis der Englischen Landbiene und starkem Anteil der L.- und K-Biene sowie weiterer Anteile anderer Herkünfte entstand über Jahrzehnte die Backfast, wie wir sie heute kennen.

In Skandinavien experimentieren einige Züchter gegenwärtig mit Kreuzungen der Buckfast-Biene und der Ostafrikanischen Bergbiene, A. m. monticula. Sie ist die sanfte Verwandte der A. m. scutellata. A. m. monticula und A. m. scutellata bewohnen eng benachbarte Areale. Letztere siedelt in Höhen zwischen 500 und 2000 m NN, A. m. monticula, die Bergbiene in Höhen zwischen 2400 und 3000 m NN. Man hofft, sie verträgt das kühle Klima Skandinaviens. Was interessiert, ist die kürzere Entwicklungszeit bis zum Imago gegenüber A. m. m., c., l. von nur 15 Tagen (Kö.), 20 Tage (A.) und 22 Tage (Dro.). Das würde die Entwicklungsmöglichkeiten der Varroen stark einschränken.

Der Selektionsprozess ist noch im Gange.

Man spricht bei den Hybriden von der Elgon-Biene, benannt nach einem Berg. Der Mount Elgon ist ein Vulkankegel im Grenzgebiet von Uganda zu Kenia.

Rassemerkmale: K(ärntener)-Biene (A.m. carnica): angestammtes Verbreitungsgebiet: nördl. bis Böhmen, östl. bis zum Schwarzen Meer, südl. bis Albanien, Balkan und Ostalpen – nach F. Ruttner 1965 auch Karpaten

Graues Haarkleid, breite Filzbinden auf Rückenseite des 3. 4. 5. Hinterleibsrings, zuweilen auch auf dem 2., manchmal ledergelbe Zeichnung auf den ersten Hinterleibsringen, Rüssellänge 6,5 – 6,8 (7, Südserbien?) mm, Flügelindex 3,2, Sie gilt als sanft und wabenstet. Carnica-Völker zeigen zügige Frühjahrsentwicklung und eine gewisse Schwarmfreudigkeit. In Trachtlücken lässt sie in der Brut nach bzw. setzt ganz aus. Im Sommer flacht die Entwicklungskurve früh ab. Carnica-Völker gehen schwach in den Winter. Durch die Zucht sind die Merkmale aber im Sinne der Imkerei abgeschwächt oder verstärkt worden, wenn auch nicht aufgehoben.

N(ord)-Biene/Dunkle Biene (A.m. mellifera): angestammtes Verbreitungsgebiet: südl. bis Nordspanien, ganz West-, Mittel-, Nord- und Osteuropa bis südliches Sibirien, heute in Mitteleuropa nahezu verdrängt. Nur noch Restbestände in Österreich (Nordtirol) und in der Schweiz (u. a. Stamm "Nigra"). Seit jüngster Vergangenheit Versuche der Rückholung aus norwegischen, polnischen und schweizerischen Populationen (www.Nordbiene.de). 

Die Nord-Biene ist dunkler als die Kärntenerin. Die Brustbehaarung ist dunkelbraun, auch schwarz, am 2. Hinterleibsring können gelbe Ecken auftauchen, die Filzbinden sind schmal, die Überhaare lang, Rüssellänge 5,8 – 6,4 mm, Flügelindex 1,5, Frühjahrsentwicklung zögernd, Sommerentwicklung lang, brütet auch weiter bei nachlassender Tracht, fliegt in die Waldtracht, nutzt alle heimischen Trachten bis auf Rotklee (zu kurzer Rüssel) gut, Sie soll verteidigungsbereiter sein als die K- und die I-Bienen. Auch das wird inzwischen durch Zucht modifiziert.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der folgende Artike.


Autor: M. D. Meixner, M.Worobik, J.Wilde, S. Fuchs und N.Koeniger - Apidologie 38 (2007), Seite 191 – 197

Titel: Die dunkle Biene Apis mellifera mellifera in Osteuropa - Bestimmung der Ver- breitungsgrenzen und Variabilität im Körperbau

Das Verbreitungsgebiet der dunklen Bienenrasse A. mellifera mellifera umfasste ursprünglich einen großen Teil von Europa. Dieses Gebiet erstreckte sich von Frankreich im Westen und Skandinavien im Norden. Im Süden bildeten die Alpen die Grenze, im Osten reichte es ver- mutlich bis zum Uralgebirge.

Bisher gab es nur wenige Untersuchungen über die Unterschiede innerhalb der dunklen Bi- enenrasse A. mellifera mellifera. Auch die Übereinstimmungen und Unterschiede zu den an- grenzenden Bienenpopulationen waren weitgehend unbekannt. Deshalb wurden 136 Proben aus Nordost- und Südost-Polen, sowie Nordost- und Südost-Weißrussland und der Ukraine gesammelt und jeweils 15 Bienen pro Probe vermessen und analysiert. Dabei wurden 38 Messgrößen (wie Flügelwinkel, Flügellängen, Farbverteilung, Haarlänge etc.) je Biene erfasst. Als Referenzproben wurden Unterarten angrenzender Bienenrassen der Oberursel- er Datenbank entnommen. Bei Betrachtung aller Werte, die Referenzproben eingeschlossen, ergaben sich drei Hauptgruppen, die in folgenden geographischen Regionen vorkamen, in Nord- und Westeuropa die dunkle Biene (A. m. mellifera), in Südosteuropa Carnica-, italienis- che und mazedonische Bienenrassen (A. m. carnica, A. m. ligustica, A. m. macedonica) und im westlichen Asien die kaukasische und anatolische Bienenrasse (A. m. caucasica,      A. m. anatolica).

Die Diskriminanzanalyse der neuen Proben ergaben, dass Bienen aus Nordostpolen und Nordost-Weißrussland eindeutig zur Rasse der dunklen Biene A. mellifera mellifera gehörten. Bienen aus dem nördlichen Weißrussland nahmen eine extreme Position am Rand der Gruppierung der dunklen Biene ein, was als Hinweis auf eine ökotypische Variante der dunklen Biene im nordöstlichen Teil ihres Verbreitungsgebietes gedeutet wird. Die Proben aus der Ukraine          und Südpolen ergaben eine ausgedehnte Hybridzone, deren Ausdehnung nach Osten und Süden mangels Proben noch unbekannt bleiben muss.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass vor allem das südliche Polen und die Ukraine ein natürlicher Schmelztiegel der Honigbienen aus Westeuropa, dem Balkan und dem westlichen Asien war. Eine Einfuhr von Völkern vor ca. 500 Jahren durch Imker, wie von Skorikov 1929 (Beiträge zur Kenntnis der kaukasischen Bienenrasse) vermutet, ist damit wenig wahrscheinlich.

Zusammengefasst von Dr. Gudrun Koeniger Institut für Bienenkunde Oberursel (Polytechnische Gesellschaft), Karl-von-Frisch-Weg 2, 61440 Oberursel


Italiener-Biene/I-Biene oder Gelbe Südrasse (A. m. ligustica): angestammtes Verbreitungsgebiet: Italienische Halbinsel ( Die ursprünglichen Bienen Siziliens gehören einer anderen Unterart A. m. intermissa mit den Rassen Sicula [Sizilien], Tellica [Nordwestafrika, Atlas], Iberica [Spanien] und Sahariensis [südl. des Atlasgebirges] an.),(vgl. Götze 1964, Bruder Adam 1958 –1961) Die Ligustica ist der Carnica sehr ähnlich, hat aber eine viel gelbere Körperfarbe. Sie ist schwarmträge, sanft, bildet große Völker, brütet lang in den Herbst hinein und brütet auch bei Trachtlücken durch. Sie verträgt das mitteleuropäische Klima nicht gut und ist anfällig für Nosema. Trotzdem hat man schon im 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts stark mit der I-Biene nördlich der Alpen gezüchtet (Kleine 1865, Dzierzon um 1900, Kleinewegen 1935), dann abgelöst von der Carnica (vgl. Zander/Böttcher 1982, S. 262 ff).

Kau(kasus)-Biene (A. m. caucasica): Angestammte Heimat ist der Kaukasus und seine Randgebiete. Einkreuzungs- und Zuchtversuche vor allem wegen der Rüssellänge (bis zu 7,5 mm) zur Nutzung der Rotkleetracht, in reiner Form für unsere Breiten kaum nutzbar, wetterempfindlich, für Nosema anfällig unter mitteleuropäischen Verhältnissen, schwache Volksentwicklung

Buckfast-Biene: die ersten Abdomenringe hell-ledergelb (Erbe I-Biene), Filzbinden (Erbe K-Biene), auch in Mitteleuropa klimafest, schnelle und starke Volksentwicklung, brütet auch bei Trachtpausen durch (Gefahr des Verhungerns bei langen Perioden ohne Trachtwetter), schwarmträge, sehr eifrig im Aufspüren von Futterquellen, im Spätsommer Gefahr der Räuberei. Soll den Honig brutnestfern ablagern, was die Honigernte für den Imker erleichtern dürfte.


 


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