Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Varroa destructor (Anderson & Trueman 2000)

Varroa destructor parasitiert seit den 50er Jahren (RITTER und Mitarb. 1981) die Westliche Honigbiene (Apis mellifera L.). Angestammter Wirt ist aber die im ostasiatischen Raum beheimatete Honigbienenart Apis cerana. Bei Apis cerana und Varroa destruktor besteht ein in langen Zeiträumen entwickeltes Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit. Die Lebensräume von Apis cerana und A.mellifera überschnitten sich ursprünglich nicht. Es gilt als sicher, dass erst der Mensch durch Verfrachten von Bienenvölkern (vor allem von Apis mellifera) in Gebiete, die sie natürlicherweise nicht besiedelten, Kontakte zwischen den beiden nahe verwandten Bienenarten bewirkte und so den Übergang von Varroa destructor auf Apis mellifera ermöglichte. Das hatte katastrophale Folgen für die Westliche Honigbiene, weil sie durch ihren anderen Lebensrhythmus dem Parasiten nicht gewachsen ist, zumal auch der Mensch im Falle der Apis mellifera ständig in das Wirkgefüge zwischen Wirt und Parasit eingreift, indem er die Varroa in den Bienenvölkern bekämpft. Dass eine Anpassung grundsätzlich möglich ist, zeigen Beobachtungen in Brasilien, wo Bienenvölker (Apis mellifera) wesentlich extensiver bewirtschaftet werden als beispielsweise bei uns, zum Teil gar wild leben und überleben, trotz Varroa! Wie das brasilianische Freiluftexperiment ausgeht, wird die Zeit zeigen.

systematische Einordnung von Varroa

Varroa destuktor (zunächst fälschlich als Varroa jakobsoni [OUDEMANS 1984] bezeichnet)

ist kein Insekt, sondern eine Milbe. Milben gehören in die Klasse der Spinnentiere (Arachnida) und dort zur Unterklasse Milben (Acari).

Beide Klassen, Insecta und Arachnida, gehören gemeinsam zum Stamm der Gliederfüßler (Arthropoda). Stammesgeschichtliche Nähe und ähnliche Größe machen die Bekämpfung der Varroa im Bienenvolk sehr schwierig.


Körperbau

Im Gegensatz zu den Insekten besitzen Milben und Spinnen vier Beinpaare. Der Körper der Milben wirkt im Gegensatz zu den Insekten ungegliedert, sackartig. Das erste Beinpaar ist zu Tastern umgestaltet. Sie haben stechend-saugende Mundwerkzeuge.

Die Weibchen von Varroa destruktor sind bis 1,6 mm breit und 1,3 mm lang, also breit oval. Sie sind zudem dunkler braun und wesentlich größer als die nur 0,97 mm breiten und 0.93 mm langen Männchen.

Sie können sich sehr rasch bewegen, auch seitlich, wie Krabben.

Lebensweise

Die männlichen Tiere sind kurzlebig. Weibchen können im Sommer bis zu einem Vierteljahr, im Winter sechs bis acht Monate, außerhalb des Volkes fünf Tage leben.

Kurz vor dem Verdeckeln der Zellen schlüpft das Varroa-Weibchen in diese hinein, sticht die Streckmade an und saugt von deren Lymphe. Sobald die Bienenlarve verpuppt ist, klebt die Varroe zwischen sechs und zehn milchweiße, 0,5 mm messende Eier an die Zellwand (RITTER s. RUTTNER u. Mitarb. 1980). Drohnenbrut wird bevorzugt. Drohnen brauchen zu ihrer Entwicklung 24 Tage, Arbeiterinnen nur 21 Tage. In der Drohnenbrut kommen daher wesentlich mehr Varroen zur Reife. Als biotechnische Bekämpfungsweise wendet der Imker daher den Drohnenschnitt an (siehe auch weiter unten).

Zurück zu Varroa! Vom Ei bis zur erwachsenen Milbe braucht die Varroe lediglich 6 bis 8 Tage. Im Laufe des ersten Tages nach der Eiablage bildet sich im Ei die 0,5 bis 0,6 mm große sechsbeinige Larve aus. Nach weiteren 24 Stunden schlüpft die 0,7 mm messende achtbeinige sog. Protonymphe. Innerhalb von 48 Stunden entwickelt sich die 0,8 mm große sog. Deutonymphe. Nach noch einmal 2 Tagen wird daraus die geschlechtsreife Milbe. Die in der verdeckelten Zelle geschlüpften Milben paaren sich noch dort. Die Männchen sterben nach der Paarung. Die Weibchen heften sich an die schlüpfende Jungbiene und verlassen mit ihr die Zelle (HÜTTINGER und Mitarb. 1981). Bei ungehinderter Vermehrung kann sich ihre Zahl im Bienenvolk in einer Saison um das 10fache vergrößern (SCHULZ und Mitarb. 1983).

Die Schädigung der Bienen erfolgt einmal durch Blutverlust (Lymphe) beim Saugen und zum anderen durch die Übertragung von Krankheitserregern. Bienen sind durch ihren Chitinpanzer gut gegen Viren geschützt. Die Milben durchbohren aber die Chitinschicht und beseitigen so die Barriere für die Viren. Das sogenannte rätselhafte Bienensterben wird neben anderen Ursachen sicher auch zum Teil durch Virenbefall verursacht.

Gegenmaßnahmen

Weiter oben wurde bereits der Drohnenschnitt als eine Begrenzungsmaßnahme erwähnt, die auch gute Wirkung zeigt.

Nach Verdeckelung der Drohnenzellen schneidet der Imker den größten Teil der Drohnenbrut aus dem Rahmen und vernichtet mit der Brut einen erheblichen Teil des Varroanachwuchses. Als rückstandsfreies Verfahren kann der Drohnenschnitt auch während der Trachtperiode angewandt werden. Bei der systematischen Zucht von Königinnen (Belegstellen) wird natürlich darauf geachtet, dass genügend Drohnen verbleiben. Sie sind schließlich die männlichen Geschlechtstiere, welche die Königin befruchten müssen. Der Drohnenschnitt bedeutet im Übrigen auch nicht die 100prozentige Eliminierung der Drohnen im Volk. Für Standbegattung reicht in der Regel die Anzahl der verbliebenen Drohnen aus.

Bleibt zu sagen, dass es auch Imker gibt, die aus grundsätzlichen Erwägungen den Drohnenschnitt ablehnen, teils aus ethischen Gründen, teils, weil sie diese Maßnahme als widernatürlichen Eingriff ansehen, der die Harmonie im Bien empfindlich stört.

Zur Bekämpfung der Varroose sind noch 2 synthetische Acaricide zugelassen: Bayvarol und Perizin. Auf Grund der Rückstandsproblematik und der Möglichkeit der Resistenzbildung werden diese Mittel ungern von den Imkern angewandt.

Gegenwärtig (2011) arbeitet man durchweg mit organischen Säuren ( Ameisen-, Milch- und Oxalsäure in unterschiedlichen Konzentrationen) oder/und mit ätherischen Ölen aus Thymian, Minze und Kampfer.

Zudem versucht man seit einigen Jahren, über die Zucht Varroa-Toleranz zu erwirken – Evolution im Zeitraffer.


 


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