Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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November / Dezember

In den letzten Jahrzehnten hat sich die imkerliche Praxis nicht wenig verändert. Vor allem die Ausbreitung des Parasiten Varroa destructor in den Völkern der Westl. Honigbiene zwingt die Imker zu einer anderen Verfahrensweise. Vor den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war es von November bis Anfang Februar auf den Ständen ziemlich ruhig. Inzwischen ist es selbstverständlich, dass der versierte Imker auch noch in der brutfreien Phase nach seinen Bienen schaut, um die letzte Möglichkeit der Varroadezimierung vor der neuen Trachtsaison zu nutzen.

Brutfreiheit ist dabei das entscheidende Erfolgskriterium.

Der Zeitpunkt für Brutfreiheit ist stark abhängig vom Wettergeschehen im Spätherbst und Vorwinter. In den Jahr 2011, 2012 z. B. haben Anfang November nicht wenige Völker noch Brut in allen Stadien, teils auch Völker mit älteren Königinnen.

Das gilt generell in hohem Maße für Völker mit jungen Königinnen. Ein untrügliches Zeichen ist der Eintrag von Pollen.

In Jahren mit „normalem“, nasskaltem Novemberwetter, sollten die Völker ab Mitte/Ende November nicht mehr brüten. Nach 14 Tagen Frost bzw. tiefen Temperaturen kann man ziemlich sicher mit Brutfreiheit rechnen. 2014 sind die Völker Mitte Dezember ohne Brut.

Was ist nun zu tun?

Ende Oktober, Anfang November verschafft sich der Imker einen Überblick zum Belastungsgrad. Zunächst legt er die Windel (Kunstsoffschale oder dergleichen) unter den Gitterboden der Beute und kontrolliert den natürlichen Totenfall ca. 7 bis 14 Tage lang (Anzahl der gefallenen Milben durch Tage).

Beispiel: Fallen in 7 Tagen 3 Milben, so liegt der Durchschnittsbefall unter einer halben Milbe pro Tag. Eine Behandlung ist nicht zwingend erforderlich. Man muss immer im Auge haben, dass jede Behandlung auch den Bienen schadet. Fallen aber mehr als eine halbe Milbe pro Tag, ist eine Bekämpfung der Milben angesagt.

Um aussagesichere Ergebnisse zu erhalten, muss die Windel eingelegt werden, eh die Bienen in der Traube sitzen, da nach Erfahrung des Autors dann auch in stärker belasteten Völkern kaum Varroen fallen. Sind noch Ameisen unterwegs, sollte die Windel am besten täglich kontrolliert werden, weil Ameisen u.U. abgefallene Varroen wegschleppen und so das Ergebnis verfälschen.

Stichproben helfen nicht, da Völker unterschiedlich belastet sein können, trotz scheinbar gleicher Verfahrensweise (So verläuft z. B. eine mögliche Re-Invasion sicher nicht gleichförmig.).

Verschiedene Methoden stehen für die Winterbehandlung zur Verfügung:

Siehe auch: > www.laves.niedersachsen.de < dort: download/Varroabekämpfung

1.Besprühen mit 15%iger Milchsäure bei +5 bis +6°: Alle besetzten Waben müssen gezogen werden. Der relativ hohe Zeitaufwand, Beunruhigen der Bienen, vergleichsweise hoher Wärmeverlust lassen uns von der Anwendung absehen. Milchsäure gilt aber als sehr verträglich für die Bienen.

2. Perizin: synthetisches Akarizid: Wir wenden es nicht mehr an. Ob und in welchem Maße durch die Anwendung auch die Bienen geschädigt werden, ist hier nicht bekannt.

3. Oxalsäureträufelverfahren: Diese Methode lässt sich in der Praxis leicht umsetzen und führt nach unseren Beobachtungen zum Erfolg. Der Milbenfall hält nach der Behandlung 4 bis 5 Wochen an (Erfolgskontrolle mittels Windel). Danach herrscht wieder normaler Totenfall. Bei Behandlungserfolg dürften dann nach dieser Phase kaum noch Milben fallen.

Untersuchungen belegen allerdings, dass mit Oxalsäure behandelte Völker um 10 % schwächer auswintern als Kontrollvölker. In der Abwägung von Für und Wider wird man sich wohl in der Regel für eine Oxalsäurebehandlung entscheiden müssen. Das Risiko, mit zu hoher Milbenzahl in die neue Saison zu starten, ist bei unterbliebener Behandlung groß. Das Gefährdungspotential sollte nicht unterschätzt werden.

Oxalsäuredihydrat gibt es als Pulver oder als Tabletten, was die Dosierung sicherer macht. Erlaubt ist nur Oxalsäuredihydrat ad us. vet. (zum Veterinärgebrauch), gilt als Medikament, ist apothekenpflichtig und muss ins Bestandsbuch eingetragen werden.

Hier ein Beispiel für den Ansatz einer 500 ml-Ox-Lösung (ein halber Liter):

Man löst 18 Gramm Oxalsäuredihydrat (5 x 3,5 g = 17,5 g) in lauwarmem Wasser auf, überprüft, wie viel ml Lösung man jetzt hat (sagen wir 50 ml) und füllt nun (bis 500 ml) 450 ml lauwarme Zucker(Saccharose)lösung etwa 1:1 auf. Das gibt 500 ml gebrauchsfertige 3,5%ige Oxalsäure-Wasser-Zuckerlösung.

Entsprechend müssen z.B. für 1000 ml Lösung die Maßangaben verdoppelt werden. Puderzucker löst sich leichter als Kristallzucker.

Die Lösung wird auf eine größere Spritze gezogen und gleichmäßig in die besetzten Wabengassen geträufelt, 5 bis 6 ml pro Gasse. Für ein schwaches Volk benötigt man 30 ml (5 oder 6 Wabengassen), für ein starkes einzargiges Volk 40 ml (7 bis 8 Wabengassen) und für zweizargige Völker ca. 50 bis 60 ml Lösung (10 bis 12 Wabengassen). Zur Öffnung, Beträufelung und Schließung benötigt man pro Volk kaum 5 Minuten. Frostgrade schaden nicht, so Dr. Liebig, Bochum. Wichtig ist, dass die Bienen dicht sitzen und nicht auffliegen (Wintertraube ist nicht zwingend, aber besonders günstig!). Der Imker achte darauf, nicht auf die Rähmchen zu träufelt, sondern in die Wabengassen auf die Bienen. Die Lösung soll gleichmäßig verteilt werden und handwarm sein. Etwas mehr oder weniger Lösung mindert nicht den Erfolg, aber nicht stark überdosieren! Es kommt sonst zu spontan erhöhtem Totenfall bei den Bienen.

Zur Vermeidung von stärkerer Bienenschädigung das Verfahren nur einmal innerhalb der Brutpause anwenden!


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Bild 1: Bienen in der Wintertraube vor Abheben der Folie


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Bild 2: Mit dem Träufeln warten, bis sich die Bienen in die Gassen zurückgezogen haben

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Bild 3: Varroen-Totenfall 48 Stunden nach Behandlung.


Auf der Windel liegt der Varroen-Totenfall 48 Stunden nach Behandlung. In den ersten 24 Stunden fielen schon 247 Milben, die hier aber abgeräumt sind. Das Volk hatte zwischen 1. und 14.12.2012 einen durchschnittlichen natürlichen Totenfall von 6,5 pro Tag.

Nach dem 31.12. darf nicht mehr behandelt werden, da sonst die Gefahr der Verunreinigung der Tracht besteht. Mitte Februar tragen die Bienen bei günstiger Witterung aus Frühblühern durchaus schon Nektar und Pollen ein (6-Wochen-Frist).

Zudem beginnen die Königinnen nach Weihnachten, je nach Wetterlage, auch wieder mit der Eiablage.

Beim Umgang mit Oxalsäuredihydrat (kristallin, Stäube, flüssig, Spritzer) sollte zum Eigenschutz immer Schutzbrille, Atemschutz (einfacher Staubschutz vor Mund und Nase) und Gummihandschuhen getragen werden.

Hersteller leicht handhabbarer Präparate:

Serumwerk Bernburg: Oxsalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % (m/V) ad us. vet.

Andermatt BioVet AG: Oxuvar, ebenfalls ad us. vet.

Nach beiliegender Arbeitsanweisung vorgehen.

Angesetzte Lösungen sind alsbald zu verbrauchen!

Bezug über Apotheken oder Tierärzte

 


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