Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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März / Anfang April


Kalendarische Daten sind für die Imkerei nur bedingt von Wert. Der Bien richtet sich in seinem Lebensrhythmus im weiteren Sinn nach den klimatischen Bedingungen, im engeren nach Wetter und Futter(Tracht)angebot (siehe dazu auch im Menü bei Fachbegriffe, dort Phäno.- Kalender).


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Ab + 4°C erstarren Bienen und sterben, falls sie nicht rasch wieder erwärmt werden. Bienen, die, aus welchen Gründen auch immer, bei Temperaturen unter zehn Grad den Stock verlassen, sind gefährdet.

Ab 10°C beginnt ein nennenswerter Flugbetrieb. Das geschieht in der Regel, um die Kotblase zu entleeren oder um Wasser für die Brut zu holen.

Meist findet aber der eigentliche „Reinigungsflug“ bei etwas höheren Temperaturen, gern bei Sonnenschein, statt, sofern die Bienen nicht auf Grund einer Nosema- bzw. Amöbenruhr-Infektion erhöhten Darmdruck verspüren.

Bienen sind in der Lage, über sehr lange Zeit den Kot in der Kotblase zu sammeln, so dass sie bei ungünstiger Witterung den Stock nicht verlassen müssen.

Der Imker ist also gut beraten, wenn er Wetter- und Blühdaten bei seiner Arbeit beachtet. Ab 15°C ist es durchaus Usus, einen ersten Blick in die Völker zu werfen.

Man arbeitet sich vorsichtig an das Brutnest heran. Sieht man flach verdeckelte Brutzellen (Arbeiterinnenzellen), ist man zufrieden und dringt nicht weiter ins Brutnest vor. Die Königin ist im Volk, und sie ist gesund und befruchtet, also nicht „buckelbrütig“ (siehe Menü Fachbegriffe, dort buckelbrütig). Jede unnötige Störung ist zu vermeiden. Das gilt generell, aber besonders in der drohnenfreien Zeit. Geht jetzt eine Königin durch Beunruhigung (Einknäueln und Abstechen) verloren, kann das Volk keine Jungkönigin nachziehen („nachschaffen“). Die mögliche Jungfer kann noch nicht befruchtet werden.



Bilder: Salix caprea Habitus, S. c., weibl. Form, S. c., männl. Form 

Blüht die Salweide (Salix caprea), muss der Imker einige Überlegungen anstellen. Starken, einzargigen Völkern setzt man jetzt eine Zarge mit Leerwaben und Mittelwänden auf. Aumeier* empfiehlt sogar, unabhängig von der Volksstärke, Einzarger in jedem Fall zu erweitern (* so Dr. Pia Aumeier in Veranstaltungen 2011). Der Autor ist da etwas vorsichtiger, weil Bienenmasse und Raum in seiner Sicht schon im Gleichgewicht sein sollten. Vor allem im Hinblick auf die im Frühjahr nicht selten feucht kühlen Phasen. Vor allem Imker, die nur einige Völker betreuen, werden sicher ein oder zweimal hinschauen und gezielter den Raum anpassen können.

Interessanterweise imkern viele Berufsimker mit einem Brutraum. So arbeitet Ansgar Westerhoff mit 10-wabigem Brutraum über hohem Boden auf Zandermaß. Er legt zur Weidenblüte das Gitter auf die Brutzarge und gibt eine dreiviertel hohe Zanderzarge mit ausgebauten Waben aufs Volk. Er rückt das Brutnest auf eine Seite, belässt eine Futterwabe und hängt den Rest hinter ein Schied, wie auch Dadantimker verfahren. Das Brutnest wird sehr vorsichtig nur mit Mittelwänden erweitert (siehe dazu DBJ, 10 und 12/2013).

Aus der Salweide kann bei anhaltendem Flugwetter durchaus eine beachtliche Tracht entstehen (so z. B. 2011), sofern genügend Salweiden im Flugkreis wachsen, was in der Regel der Fall ist, weil Salix caprea erfreulicherweise nicht zu den seltenen Pflanzen gehört.

Deshalb müssen die Völker in diesem Fall unbedingt auf das noch vorhandene Winterfutter überprüft werden. Man rückt eine Notration (ca. 5 kg / 2 volle Futterwaben, ZM) in die Nähe des Brutnestes und entnimmt das restliche Winterfutter. Die Lücken werden durch Mittelwände ersetzt (Westerhoff und Schwarz geben nie ausgebaute Waben ins Brutnest, nur Mittelwände und dies sehr zögerlich, weil sie der Ansicht sind, dass man damit den Bienen ein ungünstiges „Nektarmanagement“[ Schwarz] aufzwingt). Bei Zweizargern ist im unteren Raum um diese Zeit oft schon viel Leergut. Möglicherweise verschimmelte Randwaben und dunkle Waben werden ersetzt. Bei konstant offenem Gitterboden ist Verschimmeln aber meist kein Problem. Die Entnahme des Futterüberschusses ist deshalb geboten, weil sonst die Gefahr der Vermischung des frisch eingetragenen Nektars mit Winterfutter besteht.

Bleibt das Wetter ungünstig, nass und/oder kalt, wartet man noch zu. Hat man schon entnommen, muss unter Umständen wieder Futter zugehängt werden. Drei Kilo Futter reichen für ca. vier Wochen, wenn die Futterkränze des Brutnestes in das Kalkül einbezogen werden. Es bleibt also schon ein gewisses Sicherheitspolster.Zudem wird auch ein Teil des frischen Sammelgutes gewiss in den Aufbau des Volkes gesteckt, denn das Brutgeschäft ist jetzt auf Hochtouren.

Die Wildkirsch- (Prunus avium) Goldhahnenfuß- (Ranunculus auricumus) Phase läutet das Ende des Erstfrühlings ein.

Die Blüte der Wildkirsche (Vogelkirsche) ist für den Imker der nächste wichtige Zeitpunkt.


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Abb.: Vogelkirsche – Prunus avium


Die Völker bekommen spätestens jetzt den Baurahmen in die zweite Zarge rechts und/oder links an zweiter Position gehängt, darauf das Gitter gelegt (zur Begrenzung der Königin auf die beiden Bruträume) und darauf den ersten Honigraum gesetzt (durchaus nur Mittelwände, falls ausgebaute Waben nicht, oder nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, ausgebaute Waben kommen mittig, die Mittelwände rechts und links daneben).

Westerhoff lässt den Drohnenbau unter dem Brutnest im hohen Boden zu. Er wird nach Verdeckelung bei der Kippkontrolle mit entnommen.

In diesem Entwicklungsstadium ist die Brutnestkugel bei zweizargigem Brutnest in der Regel schon in beiden Zargen, meist etwas nach oben verschoben, so dass die beiden Baurahmen an das Brutnest grenzen. Nach außen, von den Baurahmen zur Wandung hin gesehen, werden die Notfutterreserven untergebracht. Der Baurahmen besteht aus einem leeren Rähmchen, welches oben einen 2 cm breiten Mittelwandstreifen unter der Deckleiste eingelötet hat. Daran bauen die Bienen dann Drohnenzellen an. Nach ca. drei Wochen sind die Drohnenrahmen mit Drohnenbrut belegt. Sobald die Zellen verdeckelt sind (Drohnenzellen haben gewölbte Verdeckelung im Gegensatz zur flach verschlossenen Arbeiterinnenbrut), werden sie herausgeschnitten und vernichtet. Das ist die einzige legale Möglichkeit, während der Trachtperiode die Varroa zu begrenzen. Hängt man die Drohnenrahmen zeitlich versetzt ein, kann man im Wechsel ausschneiden.

Bei den Völkern, die erst zur Salweidenblüte den zweiten Raum erhielten, muss der Entwicklungsstand geprüft werden. Siehe nächster Absatz!

Wildkirsche und Raps erblühen nach meinen langjährigen Aufzeichnungen frühestens Anfang April, meist in der zweiten oder dritten April Dekade, selten später. Bei entsprechendem Wetter kann es dann zu erheblichem Eintrag kommen. Dann muss ein zweiter und eventuell später noch ein dritter Honigraum oben aufgesetzt werden. Erweitert wird nicht wabenweise, sondern zargenweise mit Leerwaben und/oder Mittelwänden (Arbeits- und Zeitersparnis). Bei der Honigraumgabe sollte man nicht ängstlich sein. Besser etwas verfrüht als zu spät. Wird im Brutraum zuviel Nektar abgelagert, verhonigt dieser, was die Schwarmstimmung fördert, weil die Königin der Platz zum Stiften ausgeht.

Im Brutraum nur Mittelwände einhängen, keine Leerwabe!

Gut beraten ist der Imker, der spätestens Anfang März sein Zargen- und Wabenmaterial geprüft und bereitgestellt sowie den nötigen Vorrat an Mittelwänden in die Rahmen eingelötet hat. Unter Tracht wir das Imkern sonst hektisch.

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könnenMahonia aquifolium, Blüten mit schwerem Duft, der Bienen anzieht

Salix caprea Habitus, S. c. femina, S. c. mas
 


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