Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Juni / Juli

Ende Mai, Anfang Juni blüht der Schwarze Holunder. Zeit an das Schleudern der Frühtracht zu denken. Jetzt tritt nach der Weißdornblüte und vor der Lindenblüte eine Trachtpause ein. Diese sollte man nutzen.

Ideal ist, wenn ein paar kühle Tage (Schafkälte Anfang Juni z.B.) kommen und die Bienen nicht ausfliegen. Dann haben die Immen noch Zeit, den zuletzt eingetragenen Nektar einzudicken. Er soll ja als Honig nur 18 % Wasser enthalten. In Volltrachtphasen zu schleudern, zeigt mangelnde Erfahrung!

Ist nach ungünstigem Wetter ein Flugtag in Aussicht, legt man die Bienenfluchten am Vorabend ein. Brut und möglichst auch keine Drohnen (Drohnenflucht öffnen, sofern vorhanden) sollten über der Flucht sein, sonst gehen die Arbeiterinnen nicht zur Königin nach unten - Drohnenflucht ist eine kleine Öffnung im Honigraumbereich oder an der Bienenflucht. Sinnvoller ist es, im Vorfeld darauf zu achten, dass keine Drohnen in den Honigraum geraten. Das Malheur passiert meist, wenn man Brutwaben in den Honigraum hängt, um Platz im Brutraum zu gewinnen, was aber keine gute imkerliche Praxis darstellt und in der Magazinimkerei auch nicht üblich ist (Hygiene).


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Abb. 1: Bienenflucht - Oberseite


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Abb. 2: Bienenflucht, Unterseite


Die Bienenflucht bewirkt, dass man entspannt die Honigwaben entnehmen kann, in der Regel nur wenige verbliebene Bienen abkehren muss und kein frischer Nektar eingetragen wird, der den Honig „verwässern“ würde.

Ansonst beginnt man an einem Flugtag möglichst morgens mit der Entnahme der Honigwaben.

Die Flugbienen (am ehesten aggressiv) sind auf Trachtflug, stören also nicht, und der Eintrag des frischen Nektars beginnt erst.

Für mich ist der Brutraum tabu! Die Honigvorräte die dort lagern, sind die Notration. Zu oft habe ich erlebt, dass der Juni verregnete. Ich möchte ruhig schlafen und nicht Sorge haben, dass meine Immen verhungern oder die Königin aus der Brut geht.

Entnommen werden nur volle, oder mindestens zu Zweidritteln verdeckelte Waben. Wenn man kein Refraktometer zur Hand hat, um den Wassergehalt zu prüfen, sollte zumindest die Spritzprobe durchgeführt werden. Dazu nimmt man die Wabe mit zwei Händen waagerecht und vollführt einen heftigen Ruck nach unten. Spritzt dann Honig heraus, wandert die Wabe wieder ins Volk. Der Honig ist nicht „reif“, zu wasserhaltig.

Bei der Schleuderung genutztes Gerät nicht zum Auslecken durch die Bienen nach draußen stellen, das provoziert Räuberei und Rauferei/Stecherei unter den Bienen. Dies gilt auch für Entdeckelungswachs ( kalt auswaschen und einschmelzen).

Gerätschaft bienensicher verwahren, am besten sofort reinigen, zuerst mit kaltem Wasser und Bürste, dann erst mit heißem Wasser (noch vorhandenes Wachs klebt sonst fest!).

Beim Schleudern fallen Mengen ausgeschleuderter Waben an. Jedem Volk wird natürlich baldmöglichst eine Zarge mit honigfeuchten Waben aufgesetzt. Nicht vergessen, die Bienenflucht zu entfernen!

Es bleiben aber in der Regel noch Waben übrig. Will man diese sauber haben, was sich aufgrund der Klebrigkeit und der Gefahr, dass sich Wachsmotten in den honigfeuchten Waben einnisten, empfiehlt, setzt man sie ebenfalls auf die Völker.

Auf den ersten Honigraum mit den ausgeschleuderten Waben, dessen Folie man an einer Ecke etwas zurückschlägt, setzt man eine leere Zarge, darauf dann ein oder zwei Zargen mit ebenfalls honigfeuchten Waben. Nach zwei, drei Tagen sind sie ausgeleckt und können blitzsauber abgehoben werden – spätestens nach einer Woche.

Das funktioniert, weil die Bienen die Zargen über der Folie und der Leerzarge allem Anschein nach nicht als ihre Beute empfinden und daher den dort befindlichen Honig in ihren Beutenbereich schaffen wollen und schaffen.

Ich hänge die honigfeuchten Waben zum Auslecken etwas lückig. Das heißt, ich gebe ein bis zwei Waben weniger in die Zarge.


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Abb. links: Trog (ist für das Prinzip ohne Bedeutug, könnte auch jede andere Brutraumzarge sein), darauf Honigraum, jetzt müsste die in der Abbildung fehlend an einer Ecke zurückgeklappte Folie folgen, die Leerzarge, dann die Zarge(n) mit honigfeuchten Schleuderwaben zum Ausschlecken

Abb. rechts: Innenansicht, unmittelbar über den Bienen fehlt hier die Folie die aber als Bausperre und obere "Begrenzung" der Beute sein muss; Durchschlupf von einigen cm2 reicht

In diesem Stadium (hier Zeitpunkt nach der 2. Schleuderung) ist kein Sperrgitter mehr im Volk.

Ist der Honig abgeschleudert und gesiebt (Grobsieb, Feinsieb, Spitzsieb [feines Nylongewebe]), kommt er abgedeckt in einen möglichst kühlen, trockenen Raum. Bei 15 bis 16 Grad kristallisiert er am schnellsten. Am Folgetag schöpft man die Schaumschicht ab, die sich gebildet hat. So entfernt man auch feinste Wachspartikel.

Frühtracht kristallisiert auf Grund des meist hohen Traubenzuckeranteils (Raps, Obst) recht rasch und in der Regel feinkristallin. Bei der Spättracht (Schleuderung Mitte / Ende Juli, Anfang August, je nach Tracht und Höhenlage) ist die Situation meist anders. Häufig ist der Fruchtzuckeranteil höher. Der Honig bleibt oft lange flüssig und kristallisiert grob, falls man nicht Acht gibt.

Zeigt der Honig Verfärbungen oder zieht Schlieren beim Rühren, muss man dranbleiben. Jetzt sollte der Honig am besten zweimal am Tag gerührt werden, bis er sehr zähflüssig wird. Nun kann er in Gläser gefüllt werden oder man lässt ihn in größeren Lagergefäßen. Dann muss er allerdings vor dem späteren Abfüllen in Gläser vorsichtig erwärmt werden. Nicht über 40°C, damit vor allem die im Honig enthaltenen Enzyme (Eiweiße) nicht geschädigt werden.

Die ideale Lagertemperatur für Honig liegt zwischen +5° und 15°C. Das Lager sollte zudem dunkel und trocken sein.

 


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