Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Mitte Juli / August / September

Mitte, Ende Juli ist in unserer Gegend (Eifelrandgebiet, Jülicher Börde, zwischen 200 und 100 m NN) die Lindenblüte und damit die letzte potentiell ergiebige Tracht zu Ende. Es ist der Zeitpunkt für die Sommerschleuderung gekommen (siehe dazu auch Imkerliche Praxis, Juni / Juli).


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Bienenbaum Tetradium Syn. Euodia


August


Varroabehandlung in Wirtschaftsvölker


Die Varroabehandlung beginnt vierzehn Tage vor der Schleuderung. Anfang / Mitte Juli schiebt man die Windeln (Tabletts) unter die Gitterböden der Beuten. Für sieben bis zehn Tage beobachtet man den täglichen, natürlichen Totenfall der Milben. Pia Aumeier ist der Ansicht, dass auch drei bis vier Tage reichen, um die Belastung abzuschätzen. Dann reicht auch eine einmalige Kontrolle am Ende des dritten oder vierten Tages. Fallen dabei in starken Völkern im Schnitt annähernd oder mehr als 10 Milben pro Tag, muss sofort nach der Schleuderung behandelt werden. Liegt der durchschnittliche Totenfall deutlich darunter (3 bis 4 Mi. pro Tag), kann eventuell bis Ende August gewartet werden, weil dann in starken und mittelstarken Völkern die Bruttätigkeit schon stark nachgelassen hat und nicht so viel offene Brut bei der Ameisensäurebehandlung geschädigt wird. Betroffen sind dann natürlich die Winterbienen.

Der Ausweg aus diesem Dilemma scheint mir das von Dr. Gerhard Liebig entwickelte Verfahren, die Völker in einen weiselrichtigen Flugling und einen weisellosen Brutling zu teilen und dann mit Milch- oder Oxalsäure zu behandeln, da die Behandlung hier erst im brutfreien bzw. extrem brutarmen Zustand erfolgt. Der erhöhte Aufwand dürfte sich lohnen.

Dieses Verfahren hat den Charme, dass bei korrekter Anwendung weder Brut noch Bienen in nennenswertem Umfang zu Schaden kommen und man noch eine junge Königin gewinnt, die Ende Juli, Anfang August sehr gute Chancen hat, voll befruchtet zu werden.


a) Das Verfahren (Teilen und Behandeln mit OS oder MS):


Das zu teilende Volk sollte mindestens vierzehn Tage an seinem Platz eingeflogen sein.

Die Königin wird gesucht und unter Futterteigverschluss gekäfigt.

Dann werden die Zargen vom Boden abgehoben und zur Seite gestellt.

Auf den Boden, der am angestammten Platz bleibt, kommt eine Zarge mit ausgeschleuderten, hellen Waben* für den Flugling (Wabenerneuerung des Brutnestes!). Dazu mindestens eine, besser zwei volle Futterwaben, jeweils außen.

*Keine honigfeuchten Waben nehmen, da sonst Räuberei droht. Man verwendet zu diesem Zweck vorher ausgeleckte Waben (siehe dazu „Imkerliche Praxis“ für Juni/Juli).

Nun kommt die Königin im Käfig in die Mitte zwischen die Waben – nur unter Futterteigverschluss! Folie und Deckel werden aufgelegt.

Liebig empfiehlt, noch ein, zwei Leerzargen auf den Deckel zu setzen, je nachdem, wie hoch die Beute vorher war, um die zurückkehrenden Flugbienen nicht zu irritieren.

Der Brutling wird mit eigenem Boden und Deckel mit seiner Zarge neben oder auf den Flugling gesetzt. Beim Aufsetzen erübrigen sich natürlich die Leerzargen auf dem Flugling. Das Flugloch des Brutlings wird eingeengt, da ja mit den Flugbienen auch die Wächterbienen zum angestammten Platz und ihrer Königin zurückfliegen. Beim Brutling wird später Wabenerneuerung vorgenommen, wenn nach drei Wochen die letzte Brut geschlüpft ist – nach 24 Tagen, wenn noch Drohnenbrut vorhanden sein sollte.

Varroabehandlung der geteilten Volksteile

Flugling

Nach ein bis zwei Tagen ist Ruhe eingekehrt. Die Königin ist aus ihrem Käfig befreit. Steht der Brutling auf dem Flugling, wird er jetzt neben den Flugling gestellt. Will man mit Oxalsäure behandeln, macht man das am besten in den frühen Morgenstunden, wenn die Bienen noch dicht sitzen. Im Gegensatz zum Winter (30 bis 50 ml je nach Volksstärke) empfehlen Aumeier/Liebig für den Sommer 100 ml Lösung (3,5 g OX auf 100 ml Zucker/Wasser 1 : 1) je Volk zu träufeln. Verfahren siehe „Imkerliche Praxis“ Nov./ Dez.) Oxalsäurelösung sollte im Regelfall nur einmal angewendet werden, da sonst mit erhöhter Schädigung der Bienen gerechnet werden muss. Aumeier/Liebig riskieren bei starkem Befall allerdings auch eine zweite Behandlung mit OX. Zu überlegen wäre, ob in so einem Fall nicht besser die viel bienenverträglichere MS zum Einsatz kommen könnte.

Das Milchsäure-Sprühverfahren wendet man dagegen am besten abends nach Ende des Bienenfluges an, dann sind so gut wie alle da. Jede Wabe wird beidseitig mit feinem Nebel besprüht, ebenso die Bienen an den Zargenwänden. Nach Möglichkeit sollen alle Tiere getroffen, aber nicht durchnässt werden. Zwei Durchgänge im Abstand einiger Tage, aber vor Verdeckelung* der Brut, angewandt, erhöhen den Prozentsatz der abgefangenen Milben.

* Die Königin im Flugling geht nach Verlassen des Käfigs, u.U. nach wenigen Stunden, wieder in Brut.

Man hat also einen maximalen Behandlungszeitraum von 9 Tagen minus 2.

Milch- und Oxalsäure wirken nicht in die verdeckelte Brut hinein.

Brutling

Unmittelbar nach Bildung beginnt der Brutling mit dem Anziehen von Nachschaffungszellen. Ab Tag X + 12 Tage schlüpft die erste Jungkönigin.

Sind im Brutling alle Bienen ausgelaufen, kann und sollte rasch behandelt werden. Nach 21 bzw. 24 Tagen kann die Jungkönigin durchaus schon stiften. Auch hier gilt, vor Verdeckelung handeln.

Verfahren wird wie beim Flugling – mit Oxalsäure oder mit Milchsäure.

Das Einengen würde ich nach dem Sprühen bzw. Träufeln vornehmen. Jetzt können alle dunklen Brutwaben entnommen und durch helle Schleuderwaben ( nicht honigfeucht, sonst Räubereigefahr!) ersetzt werden (Bauerneuerung). Auch hier muss auf zwei volle Futterwaben und eventuell schon vorhandene Brutflächen geachtet werden. Der Brutling kommt jetzt mit einer Zarge aus, was ja ohnehin in der Regel schon bei der Teilung der Fall war. Man sollte bei der möglichen Vereinigung ja maximal auf zwei Zargen kommen.


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Milchsäurebehandlung


September / Oktober

Wiedervereinigen oder nicht?

Mit der Vereinigung der Volksteile und der Auswahl der Königin, die mit dem Volk in den Winter gehen soll, schließt sich der Kreis. Dies geschieht am besten Ende September oder besser noch im Oktober, weil dann die Überwinterungsstärke der Volksteile und die Leistung der Königinnen besser abzuschätzen ist. In der Regel wird es auf eine Vereinigung zu einem überwinterungssicheren Volk hinauslaufen. Fünf besetzte Wabengassen sollten es mindestens sein. Mit jeder besetzten Gasse steigt die Sicherheit, das Volk vital auszuwintern und ihm einen guten Frühjahrsstart zu schaffen.

August /September

Auffüttern der beiden Volksteile für den Winter

Beiden Teilen gibt man die Hälfte der Ration, die man für ein Vollvolk vorsieht. Bei Vereinigung kann die Gesamtmenge überprüft und zur Not nachgefüttert werden (Sirup, weil spät im Jahr! Genaueres unter Imkerliche Praxis, Okt./Nov.).

Hier ist auch zu überlegen, ob man nicht zunächst immer nur ein, zwei Liter im Mischungsverhältnis 1:1, Rohrzucker : Wasser, gibt und erst ab Mitte / Ende August das restliche Futter als Sirup. Zweck ist es, einerseits einen stetigen Futterstrom zu erhalten und andererseits das Brutnest nicht zu früh durch Futtereinlagerung einzuengen. Der Arbeitsaufwand ist natürlich nicht unerheblich größer.


b)

Ameisenbehandlung und Auffüttern der Völker nach der Schleuderung

Ameisensäure darf gegenwärtig (2014) nur in 60%iger Konzentration und nur in Veterinärqualität (at us. vet.) angewandt werden. Sie braucht nicht ins Behandlungsbuch eingetragen werden. Gleiches gilt für Milchsäure. Oxalsäure gilt dagegen als Medikament und gehört ins Behandlungsverzeichnis, ist auch nur über Tierarztpraxen oder über Apotheken zu beziehen.

AS wirkt auch in die verdeckelte Brut. Offene Brut und schlüpfende Jungbienen werden bei varroawirksamer Dosierung meist mit geschädigt.

Belastung und Schadschwelle

Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist das Wissen um die Vorbelastung und die Abschätzung der Wirksamkeit.

Eine Milbe des durchschnittlichen Totenfalls auf der Diagnosewindel bedeutet im Juli / August etwa 200 lebendige Milben im Volk (Beispiel: 12 Mi./Tag/Schnitt: 12 x 200 = 2400 lebende Milben im Vo.), im September 300 und im Winter 500.

Kennt man also den durchschittlichen Totenfall vor Behandlung, kann man die Wirksamkeit der Behandlung abschätzen. Fallen in vier Wochen nach Behandlung insgesamt, so lange wirkt die Säure nach, ca. 2400 Milben (unser Beispiel), kann ich von einem Erfolg sprechen.

Prüfe ich nach vier Wochen über sieben bis zehn Tage den nun wieder natürlichen Totenfall, habe ich eine zusätzliche Beurteilungsgröße. Was der Imker da sieht, entscheidet über die Notwendigkeit einer Nachbehandlung.

Denn da ist Dr. Liebig Recht zu geben: “Es kommt nicht darauf an, wie viele Milben fallen, sondern wie viele im Volk verbleiben.“

Schadschwelle im Sommer 100, im Herbst 10, im Winter 1 Milbe Totenfall im Schnitt/Tag

– abhängig von der Volksstärke

Schadschwelle heißt nicht, dass erst ab da behandelt werden soll. Im Gegenteil, Schadschwelle heißt: „Das Kind ist schon fast ins Wasser gefallen!“

Mit Schadschwelle ist die Belastungshöhe gemeint, ab der Völker ernsthafte Schäden bis zum Zusammenbruch erleiden.

Zur Wiederholung!

Täglicher, natürlicher Totenfall im Schnitt von x Tagen bedeutet,

1 tote Milbe auf der Windel im Juli/Aug. lässt auf 200 agile Milben im Volk schließen,

1 tote Milbe im Sept., ca. 300 im Volk,

1 tote Milbe im Winter steht für 500 lebendige im Volk.


Bei welcher Parasitenbelastung also behandeln?


Frühjahr, Frühsommer:

< 5 Milben nat. Totenfall im Schnitt täglich: unbedenklich, trotzdem Drohnenschnitt

5 – 10: Volk beobachten

> 10: sofort behandeln, auch in der Trachtphase (2 bis 7), notfalls unter Verzicht auf Ernte, eventuell teil- oder voll verdeckelte Honigwaben auf andere Völker ohne anhängende Bienen verteilen, genügend Futter muss im Volk bleiben. Da Brut im Volk ist, kann nur mit Ameisensäure behandelt werden. Es sei denn, man entschließt sich zur Teilung in Flugling und Brutling –– Verfahren siehe oben. Dann gehen auch Behandlungen mit MS oder OS.

Mitte Juli, Anfang August, unmittelbar nach Sommerschleuderung:

> 3 bis 4 Milben im natürlichen Totenfall (siehe auch weiter unten bei Nassenheider Verdunster)

Mitte August:

3 bis 4 Milben im nat. Totenfall

> 0,5 im Winter: Behandlung mit Oxalsäure oder Milchsäure in der brutfreien Phase

Methoden der Ameisensäurebehandlung

Schwammtuch und Langzeitverdunster

Beim Schwammtuch steigt die Säurekonzentration abhängig von der Temperatur rasch an und fällt auch relativ rasch wieder ab (24 Std.). Die Maßnahme muss in der Regel wiederholt werden. Gefahr der Brutschädigung vergleichsweise hoch, aber kurzfristig. Der Behandlungserfolg schwankt zwischen 70 und 90 % (Liebig). Behandelt wird bei Temperaturen über 15° und unter 25 bis 28°C. Hohe Luftfeuchtigkeit mindert den Erfolg

Man nimmt 60%ige AS, at us. vet., 2 ml pro Wabengasse bei Behandlung von oben und 3 ml bei Behandlung von unten.

Oberbehandlung:

Fluglochöffnung weit, Gitterboden schließen

Das Schwammtuch wird außerhalb der Beute mit 20 ml AS getränkt (1 Zarge mit 10 Waben), damit AS nicht in das Volk tropft. Bei zweizargigen Völkern nimmt man entsprechend 40 ml (2 Zargen, 20 Waben). Schutzbrille und Gummihandschuhe nutzen.

Dann legt man das Tuch einfach auf die Oberträger der (oberen) Zarge. Das Tuch soll nach 24 Stunden entnommen werden, weil die Bienen es sonst verkitten und anschroten.

Unterbehandlung:

Bei Beuten mit Gitter und Einschubmöglichkeiten für die Windel darunter ist auch Behandlung von unten möglich. Das Schwammtuch wird mit 30 oder 60 ml getränkt (1 o. 2 Zargen) und auf dem Tablett (Windel) untergeschoben. Mit dem Volk kommt man dabei nicht in Berührung.

Die Schwammtuchmethode eignet sich besonders, um stark befallene Völker unmittelbar nach der Schleuderung von hohem Parasitendruck zu befreien.

Eine Restentmilbung (nach Diagnose) im September, Anfang Oktober ist sicher anzuraten.

Langzeitverdunster

Bei den Langzeitverdunstern kommen meist zwei Typen zur Anwendung: der Liebig-Dispenser und der Nassenheider Horizontalverdunster. Beide beruhen auf dem gleichen Prinzip. Sie geben über einen längeren Zeitraum kontinuierlich AS an die Stockluft ab. Der Anstieg ist nicht so rasant wie beim Schwammtuch, hält aber länger bei gleichbleibender Konzentration an.

Liebig Dispenser:

Konzipiert ist der LD für die Behandlung mit 85%iger AS. Wie er im Betrieb mit 60%iger AS wirkt, ist nicht belegt. Hier muss wahrscheinlich die Aufwandmenge leicht erhöht werden. Es kommt auf den Versuch an. Das muss jeder Imker für sich verantworten (vergleiche dazu auch Nassenheider Horizontalverdunster).


Hier die von Dr. Liebig ermittelten Aufwandsmengen und Richtwerte für Verdunstungsmengen Vo/Tag

Beuteart

1.AS-Behandlung 85%

August

2. Behandlung 85%

September

Richtwert für Verdunstungsmenge

pro Volk und Tag

einzargig, Zander

10 Waben

50 ml

100 ml

10 – 15 ml

zweizargig, Zander

20 Waben

100 ml

200 ml

20 – 30 ml

Dadant

100 ml

200 ml

15 – 20 ml


Meist erfolgt der Einsatz Ende Juli, Anfang August zur Hauptentmilbung und gegebenenfalls noch einmal Ende September, Anfang Oktober zur Restentmilbung, jeweils nach Diagnose.

www.immelieb.de


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Nassenheider Horizontalverdunster:

Der Horizontalverdunster hat einen senkrecht hängenden Vorgänger, der aber umständlicher zu handhaben ist und in unserer Einschätzung auch unsicherer in der Wirkung erscheint.

Wir beschränken uns deshalb hier in der Beschreibung auf den einfacher zu handhabenden Horizontalverdunster. Er wird wie der LD in einer aufgesetzten Leerzarge platziert. Man legt ein Stück Folie, etwas größer als das mitgelieferte halbierte Vlies, auf die Rähmchen, gibt das halbierte Vlies auf die Folie, setzt den montierten und gefüllten Verdunster darauf und legt den Beutendeckel auf die Leerzarge.

Der NH ist für den Einsatz von 60%iger AS gedacht (Spätherbst 85%ige, laut Konstrukteur).

Behandlungsschema:

1. AS-Behandlung nach Schleuderung, Mitte/Ende 7/Anfang 8 , erst, wenn bei Diagnose 7 bis 10 Tage lang Anfang Juli mehr als 3 bis 4 Milben pro Tag oder 15 bis 20 pro Woche gezählt werden, ansonsten erst um 15.08. für 10 bis 12 Tage Langzeitbehandlung

2. AS-Behandlung (um 15.09., nach Auffütterung), kann entfallen, bei weniger als 3 bis 4 Milben pro Tag oder 20 bis 25 pro Woche

3. AS-Behandlung, Anfang, Mitte Oktober, „Restentmilbung“, sollte in jedem Fall durchgeführt werden, Langzeitbehandlung von10 bis 14 Tagen mit 85%ig AS, laut Konstrukteur

Da 85%ige AS nicht eingesetzt werden darf, muss der Imker auch im Oktober zu 60%iger greifen. Da die Wirksamkeit geringer ist, wird man um eine „Rest-Rest-Entmilbung“ mittels Oxalsäure oder Milchsäure im brutlosen Stadium Ende 11 bis Ende 12 kaum herumkommen. Diagnose Ende Oktober, Anfang November möglichst bei mildem Wetter durchführen.

Die Verdunstungsmenge (AS 60%ig) soll in Juli/August pro Tag 15 bis 20 ml bei einer Zarge (10 Waben) nicht unterschreiten. Es gibt drei Dochtgrößen (saugfähige Plättchen). Man beginnt vorsichtshalber mit dem kleinsten und überprüft, wie viel AS in 24 Stunden verdunstet ist. Ist die Mindestmenge unterschritten, wird der nächstgrößere Docht eingesetzt.

6 bis 9 Waben – kleiner Docht, 10 bis 15 Waben – mittlerer Docht, 16 bis 22 Waben – großer Docht

Bei 10 bis 12 Tagen ergibt sich dabei eine Füllmenge für den Behälter von 150 bis 190 ml (Fassungsvermögen, 200 ml) bei einer Zarge. Es kann aber nachgefüllt werden. Dann aber mit trockenem Docht und Schwammtuch weitermachen.

Bei der neuesten Version (Nassenheider Verdunster professional) fasst der Vorratsbehälter 260 ml.

Den Geräten ist eine ausführliche Betriebsanleitung beigegeben. Das Internet bietet im Übrigen genügend Information.


Ableger / Jungvölker des laufenden Jahres

Einheiten, die aus dem Frühsommer stammen und damals im verdeckelungsfreien Zustand mit Oxalsäure oder Milchsäure erfolgreich behandelt wurden, haben Zeit bis Mitte, Ende September. Ergibt dann die Windelanalyse einen durchschnittlichen nat. Totenfall bei den Varroen von unter fünf, was durchaus oft so ist, sollte überlegt werden, ob man die Oxalsäurebehandlung für die Restentmilbung nutzt.

Sind es fünf oder mehr, muss natürlich behandelt werden. Mitte, Ende September kommt eigentlich nur Ameisensäure in Frage – 60 %ige im Langzeitverdunster. Besser wäre 85 %ige, aber das ist nicht gestattet und Ameisensäure in at us. vet.-Qualität meines Wissens auch nicht auf dem Markt.

Die späte Behandlung macht deshalb Sinn, weil Jungvölker noch bis Mitte August ansteigende Brutentwicklung haben und dann reduzieren (Aumeier / Liebig), so dass bei einer Ameisensäurebehandlung im September die mögliche Brutschädigung in vertretbarem Rahmen bleibt.

Da erfolgreiche AS-Behandlung wetterabhängig ist, sollte man, gerade im Herbst, die Mayener Internetseite mit dem Stichwort Varroawetter zu Rate ziehen ( www.bienenkunde.rlp.de dort VARROAWETTER, bundesweit n. PLZ).

Zum Auffüttern der Ableger siehe auch weiter oben bei Brutling.


Auffüttern der Vollvölker


Nach dem Abschleudern ab Mitte Juli bekommen die Völker sofort etwas Futter (ca. 3 kg). Noch herrscht ja auch Läppertracht, an manchen Ständen auch mehr – Goldrute, Balsamine, Senf.

Im Juli, August kann auch mit Futterteig gefüttert werden, später besser nicht. Es muss wenigstens zeitweise Flugwetter herrschen (Flüssigkeitsbedarf).

1. Ameisensäurebehandlung

Ab Mitte August, Anfang September restliche Auffütterung bis zum Winterbedarf. Ab September sollte nur noch Zuckerwasser oder Sirup gegeben werden.

Man sollte das Leergewicht seiner Beuten und der ausgebauten Leerrähmchen (Waben) kennen. Für Bienen und Pollen setzt man 3 kg an.

Wiegt man also eine besetzte Beute, ist zu beachten: Beutengewicht + Gewicht der eingehängten Waben + 3 kg Bienen/Pollen ergeben das Leergewicht – der Rest ist eingelagertes Winterfutter.

Mit der Federzugwaage hebt man am besten hinten und vorne an,  addiert die beiden Gewichtswerte und erhält so das Gesamtgewicht (siehe zu diesem Komplex auch Menüpunkt „Zahl und Maß“).


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links: Goldrute - Solidago, vermut. canadensis; rechts: Ind. Balsamine - Impatiens glandolifera


Bei der Einfütterung ist zu berücksichtigen, dass das eingefütterte Zuckerwasser (2 : 3) oder der Sirup nicht 1 zu 1 zu Winterfutter wird. Reifer Honig hat, wie wohl bekannt, unter 20 % Feuchtigkeit. Das Winterfutter muss auf diesen Stand gebracht werden. Also kommt es zu Gewichtsverlust durch Verdunstung. Für die Umarbeitungsarbeit brauchen die Bienen Energie. Die kommt aus dem Futterverzehr. So schwindet auch dadurch das Gewicht. Sirup ist schon fermentiert. Benötigt also weniger Aufwand. Der Schwund ist geringer.


Als Faustregel kann ein Schwund zwischen einem Fünftel und einem Viertel zu Grunde gelegt werden.

Hier noch etwas Basiswissen zur Fütterung:

Winterzehrung nach Dr. G. Liebig, Einfach imkern, 3. Auflage 2011, S. 103

in 9 u. 10, nach Auffüttern wird ein Volk, je nach Stärke u. Witterung, 4 bis 8 kg leichter
in 11, 12, 1 braucht ein Volk je 1 kg pro Monat
in 2, einsetzendes Brutgeschäft, 1bis 2 kg
in 3 bis 4, Verzehr zwischen 3 und 5 kg je Monat (eventuell schon Nektar und Polleneintrag)
Gesamtverbrauch zwischen 14 und 23 kg, abhängig von Höhenlage, Microklima und Trachtsituation


Sirup erleichtert den Bienen (Enzyme sparend) die Zubereitung des Winterfutters, weil zum Teil der Umsetzungsprozess von Rohrzucker (Saccharose/Zweifachzucker) in Traubenzucker (Glucose/Einfachzucker) und Fruchtzucker (Fructose/Einfachzucker) bereits vollzogen ist (honigähnlicher).

Invertzuckersirup: Ambrosia und Apiinvert (Markennamen) sind invertierte Sirupe auf Saccharosebasis mit ca. 34 % Traubenzuckeranteil.

Isoglucosesirup: biotech. hergestellter Sirup, meist auf der Basis von Weizen- oder Maisstärke mit anderen Zuckerzusammensetzungen als Invertzuckersirup oder Honig

1 kg (1000 g) Sirup entspricht etwa 0,700 l (732,600 ml) und enthält ca. 700 g Zuckertrockenmasse

1 l Sirup (1000 ml) entspricht etwa 1,4 kg (1365 g)

1 l Sirup enthält 1 kg Zuckertrockenmasse (72,4 % Trockenmasse u. 27,6 % Wasser)

Alternative

Auffüttern mit Zucker (Zuckerwasser)

Reizfütterung: 1 : 1 (1 Teil Wasser, 1 Teil Zucker): Schwärme, Ableger, frühe Wintereinfütterung

Wintereinfütterung: 2 : 3 (2 Teile Wasser, 3 Teile Zucker)

Die Imker des Bienenzuchtvereins Merkstein haben jahrzehntelang im Herbst jedem Volk 10 kg Zucker, aufgelöst in Wasser, als Wintervorrat gegeben. Der Autor dieses Artikels ist ebenso in nahezu 30 Jahren verfahren. Ihm ist nie ein Volk verhungert. Man muss allerdings sagen, dass wir klimatisch begünstigt im Bördenrandgebiet auf 170 bis 190 m über NN imkern.

In den letzten Jahren erfolgte allgemein der Umstieg auf Sirup – aus Gründen der Arbeitsersparnis, auch weil es den Bienen die Arbeit erleichtert.




 

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