Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Chronik 2015


Wetter und Bienen in 2015


Wenn Imker auf eine bestimmte Periode zurückblicken, in unserem Fall auf das Jahr 2015, so steht, wenn nichts Außergewöhnliches passiert, der Ertrag im Fokus. Dieser ist im Wesentlichen vom Wetter abhängig – gute imkerliche Praxis vorausgesetzt.

2013 beginnt für Bienen und Bienenhalter eher ungünstig, 2014 hatten wir dagegen zum Ausgleich eine frühe und anhaltend günstige Entwicklung. 2015 liegt in der Mitte. Das spiegeln auch die phänologischen Daten. Nach zögerlichem Beginn mit vorwiegend kühlen, teils nassen Phasen, bessert sich die Situation im April, die Völker können frischen Pollen und frischen Nektar eintragen und erstarken zügig. Viele Trachtpflanzen erblühen in rascher Folge oder gar gleichzeitig. Die Bienen haben ihre liebe Not, die plötzliche Fülle zu nutzen. Die Frühtrachternte fällt zufriedenstellend aus, bleibt aber im Schnitt hinter den Werten von 2014 deutlich zurück. Bei später Schleuderung, Ende Mai/Anfang Juni, finden sich in den Waben schon kristallisierte Bereiche.


Sie wird auch gerne von Bienen beflogen – die Samthortensie – Hydrangea sargentina, hier auf der Blüte aber Erdhummel – Bombus terrestis, Pinselkäfer – Trichius zonatus ( die Flachlandform) und eine Heide-Feldwespe – Polistes nimpha   


Der anhaltend trockene Sommer in unserer Region beschert den Imkern einen besonders schmackhaften Honig. In diesem Jahr finden die Bienen auch auf den Blättern der Laubbäume reichlich Nahrung.

Der Verfasser dieses Textes beobachtete dies bei einer Stieleiche (Noppenberg). Es summte in dem Baum, als sei ein Schwarm eingefallen. In dieser ausgeprägten Form hat der Chronist das innerhalb von drei Jahrzehnten nicht erlebt. Wesentliche Anteile Tautrachthonig sind in unserer Region (< 200 m NN) eher untypisch. In diesem Jahr sieht man es dem Honig an! Ein nicht unerheblicher Anteil Tautracht muss dabei sein. Zäh und sehr dunkel fließt der Honig aus der Schleuder. Bei nicht wenigen Imkerinnen und Imkern fehlt das für unseren üblichen Sommerhonig so bestimmende Aroma der Linde. Dort, wo die Linde zu trocken stand, hat sie vermutlich kaum oder gar nicht gehonigt. Dafür ist der Sommertracht 2015 ein fein malziges Aroma eigen, von der Qualität ein wirklicher Spitzenhonig! Auch mit dem Ertrag sind die meisten Imker zufrieden. Die Preise schwanken zwischen 8 und 10 € für das Kilo Honig.

Die Varroabelastung ist im Sommer 2015 eher unterdurchschnittlich. Trotzdem behandeln die Bienenhalterinnen und -halter des Vereins überwiegend mit Ameisensäure. Der Totenfall der Varroen nach der Säuregabe ist dann auch moderat. Kontrolle erfolgt aber weiter, weil der sonnige Herbst die Bienen anhaltend brüten lässt, was auch die Vermehrung der Varroa begünstigt. Bei Novembertemperaturen, teils im hohen positiven zweistelligen Bereich (08.11. z. B. +19°C), fliegen die Bienen stark, finden aber natürlich kaum Nektar, so dass die Zehrung überwiegt. Die Futtervorräte bleiben im Blick. Hier und da wird nachgefüttert.

Auch in 2015 werden Zuchtserien mit jüngsten Larven aus kontrolliertem Erbgut angesetzt. Leider pflegen die Ammenbienen jeweils nur wenige Larven weiter. Es reicht aber schließlich für den Austausch verbrauchter Königinnen oder zum Ersatz von solchen mit unpassender Vererbung.

Die Neigung, nur spärlich Weiselzellen zu pflegen, könnte mit dem Bemühen zusammenhängen, möglichst schwarmträge Völker zu vermehren. Der bekannte Züchter Van den Bongard berichtete vor einigen Jahren von diesem Phänomen bei seinen Buckfast-Linien. Er nahm damals für seine Zuchtserien Carnica-Völker. Es scheint, wenn wir diese Erfahrungen verknüpfen, dass gleichgerichtete Zuchtziele die vielbeschworenen Unterschiede zwischen den einzelnen Herkünften mehr und mehr aufheben.

Da die meisten Vereinsmitglieder aber unter zehn Völker halten, wirkt sich diese Problematik kaum behindernd aus.


Das Vereinsleben


Zum Stichtag 01.Januar 2015 gehören dem Verein dreiundzwanzig Mitglieder an. Sie halten insgesamt 121 Völker.

Die Vollversammlung am 02.02.15 hat als wichtigsten Tagesordnungspunkt wie in jedem Jahr die Vorlage des Kassenberichts und die Entlastung des Vorstandes zum Inhalt. Die Kasse ist korrekt geführt, der Vorstand wird entlastet. Vorstandswahlen stehen in 2015 nicht an. Als Kassenprüfer werden Dorothea Barde und Ingo Münstermann für 2015 gewählt.

Die regelgerechten Versammlungen im März, Mai, Juli, September und November orientieren sich thematisch am Bienenjahr. Die Wissensvermittlung kann jetzt auch durch Bilder und Filme ergänzt werden, da inzwischen ein Beamer zur Verfügung steht.

Neu ist in diesem Jahr, dass Kurzreferate zu speziellen Themen vorgetragen werden, so zur Durchlenzung, zur Ablegerbildung, zur Völkerführung im einraumigen Brutraum, zur Parasitologie (u.a. AFB-Erregertypen), zur Gestaltung eines weihnachtlichen Verkaufsstandes.

Die Stammtische haben sich etabliert und werden auch regelmäßig zum informellen Austausch von einem harten Kern mit „Randerscheinungen“ genutzt, in 2015 in den Monaten April, Juni, August, Oktober.

Versammlungen finden an jedem ersten Montag um 19:30 Uhr im Vereinslokal Reischl statt, Stammtische jeweils am ersten Freitag um 19:30 Uhr dort.

Die Novembersitzung ist üblicherweise durch den Rückblick auf das vergangene Jahr geprägt. In diesem Herbst geht es aber hauptsächlich um Zukunftsfragen. G. Schmitz (1. Vorsitzender, 77 Jahre) und H. Kaußen (Kassierer und 2. Vors., 78 Jahre) möchten aus Altersgründen bei der Vorstandswahl im Februar 2016 nicht mehr kandidieren. J. Barde ist bereit, sich für die Funktion des Kassierers zur Wahl zu stellen. J. Billmann wird als zukünftiger Vorsitzender vorgeschlagen. Er hat sich aber noch nicht entschieden. Es ist noch Zeit bis zur Hauptversammlung am 01. Februar 2016.

Am Samstag, dem 22.08.2015, sind wir zu Kaffeetafel und abendlichem Grillen bei unseren Imkerfreunden Barde zu Gast. Dorothea, Jürgen und Dirk haben am Vortag mit tatkräftiger Hilfe von Dietmar und Johannes das vereinseigene Zelt aufgebaut. Das Wetter spielt mit. Der Spaziergang durch das Broichtal und der restliche Tag sind von sehr angenehmen Temperaturen begleitet. Selbst der Abbau des Zeltes am Folgetag steht unter einem guten Stern. Die Zeltbahnen können völlig trocken eingelagert werden. Der Texter behauptet einfach einmal, dass Imker naturverbundene Menschen sind. So kommen selbige bei Bardes auf dem Rundgang zu Bienen, Hühnern, Kühen, Obstbäumen und Gartengewächsen zu vergnüglichem Schauen und reichlich Gesprächsstoff.

Dietmar Gruhn hat keine Mühe gescheut und einige vorzüglich schmeckende Kuchen für die Kaffeetafel beigesteuert. Salate für das anschließende Grillen sind auch in diesem Jahr das Gemeinschaftswerk der Damen. Für Grillgut, Getränke und vieles mehr haben Bardes gesorgt. Auch in 2015 ist es wieder ein gelungenes Fest. Wie immer in solcher Situation liegt die Hauptlast bei den Gastgebern. Dorothea, Dirk und Jürgen sei daher unser herzlicher Dank gesagt.

Ironie des Schicksals, am gleichen Tag, dem 22.08.2015, verstarb unser langjähriges, inaktives Mitglied, Hans Lorenz.


 Wir erlebten Hans immer zuversichtlich, voll Lebensfreude und den Menschen zugewandt. Er wurde 87 Jahre alt (25. Juli 1928 bis 22. August 2015).     

Das letzte Ereignis des Merksteiner Imkerjahres ist das Ambrosiustreffen. Zur Tradition gehört, dass die, die mit einem Gottesdienst etwas anfangen können, die Messe zum Gedenken an die Verstorbenen des Vereins besuchen. Auf dem Altar steht dann eine große, von Johannes Billmann selbst gefertigte Kerze aus reinem Bienenwachs. Er führt so einen Brauch fort, den seine Mutter vor Jahren begonnen hatte. Wir sind ihm dankbar für dieses Gemeinschaft stiftende Ritual.

In der Messe am 06.12. weiht Pfarrer Intrau die Kerze und erzählt vom Brauchtum rund um die Gestalt des Hl. Ambrosius und was es mit den Imkern auf sich hat. Ein herzlich Dankeschön!

Der Tag wird durch ein gemeinsames Essen im Vereinslokal abgerundet.


Noch einmal: Bienen!

Auf den Bienenständen ist das Jahr noch nicht zu Ende. Zwischen Weihnachten und Neujahr müssen, falls erforderlich, die Varroen mit Oxal- oder Milchsäure bekämpft werden.

Seit Mitte November wird der natürliche Totenfall in den Völkern ermittelt. Fällt im Schnitt mehr als eine halbe Milbe pro Tag, schreiten wir zur Behandlung.

 

Beobachtet am 15.12.2015, Wahrscheinlich Senf- oder Ölrettichpollen



 

Kirschpflaume - Prunus cerasifera, blüht stellenweise auch schon wieder Mitte 12/2015 




Das Wetter ist uns im Dez. 15 nicht hold. Es ist viel zu warm. Bei Temperaturen zwischen 12 und 15°C (7. u. 8.12.) fliegen die Völker, holen Pollen und wahrscheinlich auch Nektar aus letzten Blüten (Senf, Rettich) oder von schon wieder erblühten Bäumen (Kirschpflaumen z. B.).

Die Völker sollten jetzt brutfrei sein, was sie heuer aber leider weitgehend noch nicht sind. Aber auch da gibt es Möglichkeiten, natürlich komplizierter!


Wie heißt es so fies: „Wir werden dem Schwein schon schlachten, wenn ihm auch quiekt!“

 


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