Der Bienenzuchtverein Merkstein

Die Imker in Herzogenrath-Merkstein

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Imkern in der Großraumbeute


Allgemeines

Imkern kann man in verschiedenen Beuten, die vielen verschiedenen Typen, die es auf der Welt und auch insbesondere in Deutschland gibt, beweisen es.

Ich habe mit Segeberger Hartschaumbeuten angefangen, interessanterweise in einem für unsere Gegend eher unüblichen Maß: DNM 1,5, Warmbau.

Kurz darauf habe ich, um die allgemeinen Imkererfahrungen nutzen zu können (Vereine, Dr. Liebig, Pia Aumeier) auch 2-Zargerbeuten dazugenommen und im üblichen DNM geimkert.

Dabei wurde mir klar, daß die Beute allein noch nicht den Unterschied macht, sondern die jeweilige Betriebsweise:

2-Zarger:
2-Zarger mit gleichen Zargen für Brutraum und Honigraum ermöglichen den – egal in welcher Beute – notwendigen Wabenwechsel durch vertikales Tauschen der Zargen, also von oben (frische Waben) nach unten (alte Waben). Dabei findet dieser Vorgang zum Spätsommer statt, nach dem Abschleudern und vor dem Auffüttern.

1-Zarger:
Wachswechsel in großen 1-räumige Zargen findet anders statt: hier wird über das Jahr hinweg horizontal getauscht, mit den Aufräumarbeiten beginnend im frühen Frühjahr. Über das Jahr hinweg werden im großen Brutraum je nach Volksentwicklung dann frische Mittelwände zugegeben.

Mein Fazit:
Für mich ist die Großraumbeute und ihre Betriebsweise die angenehmere, insbesondere mit zunehmendem Alter. Auf den Ertrag jedoch hat sich aus meiner Sicht bisher kaum ein Unterschied ergeben. Hier sind die genetischen Eigenschaften der verwendeten Königin deutlich wichtiger.


Betriebsweise Großraumbeute

Die nachfolgenden Ausführungen setzen folgendes voraus:

  • Segeberger Beute 1,5 DNM
  • Kaltbau
  • Schied verfügbar (das Schied hat eine Größe wie ein Rähmchen, so daß die Bienen und auch die Königin darum herum krabbeln können)



Erster Eingriff im Jahr (frühes Frühjahr)

Zur Zeit der Weidenblüte schaue ich bei meinen Bienen, wie der Entwicklungsstand ist. Das Ziel meiner Nachschau ist:

  • Herausnehmen aller Waben, die keine Brut enthalten,
  • Zusammenschieben der Brutwaben und an einen Rand der Segebergerbeute plazieren,
  • von dieser Wand aus gesehen nach innen: Zufügen einer Mittelwand, direkt an das Brutnest, dann den Drohnenrahmen, dann das Schied.
  • Hinter das Schied kommt eine weitere Mittelwand, auf jeden Fall mindestens 1 Futterwabe und auch 1 Pollenwabe, da zu dieser Jahreszeit noch keine stabile Versorgung mit Nektar und Pollen gesichert ist.
  • Gleichzeitig setze ich den ersten Honigraum über Absperrgitter auf, da im eigentlichen Brutraum kein Platz für Honig ist.
  • Aufsetzen des HR sollte quer zum BR erfolgen, da sonst der Honig nur direkt über dem Volk eingelagert wird.


Das heißt, daß z.B. ein "normales" Volk mit ca. 3 Brutwaben zu diesem Zeitpunkt folgende Wabenausstattung in der Beute aufweist (hier von links, der "warmen" Außenwand):

BW/BW/BW/MW/DR/S/MW/FW/PW und der Rest ist frei, oben drauf der HR über Absperrgitter.

(BW = Brutwabe, MW = Mittelwand, DR = Drohnenrahmen, FW = Futterwabe, PW = Pollenwabe, HR = Honigraum, hier halbe Größe des BR).


Warum mache ich das?

Dieser Eingriff fällt unter den Begriff "Bruteinengung" oder Brutbegrenzung. Ich will erreichen, daß im Brutraum ausschließlich Brut vorhanden ist. Pollen ist auf den Brutwaben geduldet, Honig sollte (bis auf Futterkranzreste) im HR sein.

Zu dieser Zeit sollte bereits genügend Pollen und Nektar zur Verfügung stehen, um das Volk weiter zu entwickeln, wenn nicht, sind Reserven hinter dem Schied erreichbar.


Wie gehe ich ab jetzt weiter vor?

Ab jetzt besuche ich meine Völker ca. 1x pro Woche und kontrolliere den Wachstumsfortschritt der Brut und den damit unweigerlich verbundenen Ausbau der MW am Brutnest.

Diese Kontrolle erfolgt durch Abheben des noch leichten HRs und des Absperrgitters, dann zur Seite schieben des Schiedes und Sichtkontrolle der MW. (Hinweis: häufig ist bereits jetzt Honig von den Frühblühern im HR!).

Fall a:

MW am Brutnest nur teilweise ausgebaut, DR begonnen, MW hinter Schied unberührt --> Keine Aktion nötig, schließen.

Fall b:

MW am Brutnest ausgebaut und teilweise mit Brut, DR begonnen, MW hinter Schied im Ausbau befindlich --> die angefangene MW (zZ nach dem Schied) kommt zwischen die frisch ausgebaute MW und den DR, stellt also die nächste BW für das weitere Wachstum des Volkes. An die Stelle der umgehängten MW kommt eine neue MW hinter das Schied und wartet auf den Beginn des Ausbaus.

Stand des Brutraumes:

BW/BW/BW/BW(die frisch ausgebaute MW)/MW(die angefangene, die bisher hinder dem Schied hing)/DR/S/MW (neu)/FW/PW


Wie gehe ich ab jetzt weiter vor?

Immer weiter so, wie vorher beschrieben.


Wie lange geht das?

Man könnte nach dem veroher gesagten zu der Ansicht kommen, das geht endlos so weiter und irgendwann ist kein Platz mehr in der Beute.

Dem ist nicht so, denn:

- wir brauchen im Maximum ca. 7 BW im Brutraum, mehr nicht.


Warum ist das so?

Jetzt kommt Theorie:

  • 1 Biene braucht 21 Tage vom Ei bis zum fertigen Insekt.
  • 1 "gute" Königin legt in der Saison bis zu 2.000 Eier.

Im eingespielten Zustand sind somit immer max. 42.000 Zellen besetzt mit Brut in allen Stadien. Rechnet man Reserven (Futterkranz) hinzu, so braucht man nicht mehr als ca. 7 von den großen Rahmen, um die Königin ständig mit leeren Zellen zur Eiablage zu versorgen.

Damit braucht die Königin auch nicht hinter das Schied zu gehen, da davor immer ausreichend Platz ist.


Wie ist das in der Schwarmzeit?

Die Pollenwaben stehen im Verdacht, den Schwarmtrieb zu befördern.
Wenn wir also immer nur reine BW vor dem Schied haben, sollte der Schwarmtrieb - wenn nicht vollständig unterdrückt - jedoch gemildert werden.


Wie mache ich Schwarmkontrolle?

Generell muß man für die Nachschau den HR abnehmen und auch das Absperrgitter.
Typischerweise reicht es dann, das Schied zur Seite zu schieben, den DR und die nächste BW zu prüfen (Platz zum Schieben sollte sein, da zu diesem Zeitpunkt keine Reserven - außer in Trachtlücken - hinter dem Schied sein sollten).

Eine Kippkontrolle ist bei der Großraumbeute nicht möglich.


Was mache ich nach dem Abschleudern?

Das ist im Gegensatz zu 2-Zargen einfach:

  • ich entnehme das Schied (oder schiebe es an die Außenwand, fern von der Brut) und fülle den Brutraum mit MW auf. Typischerweise reichen hier insgesamt 10 Rähmchen in der Segeberger Beute, das Schied dicht herangeschoben.

Das geht deshalb so einfach, weil ich ja schon im Frühjahr die alten "Schwarten" entnommen habe.


Wie mache ich Brutableger?

Das geht genau wie bei anderen Beuten:

ich entnehme eine entsprechende Brutwabe und setze sie mit mit FW und MW und zusätzlichen Bienen in einen Ablegerkasten.

Dabei kann man die großen Bruträume verwenden, die dann auf den 3er Ablegerboden gestellt werden.


Wie mache ich einen Brutableger, wenn ich die Königin nicht finde?

Kann immer geschehen. Da gibt es - wie bei allen Beutensystemen - einen einfachen Trick:

  • ich befreie die ausgesuchte offene Brutwabe von fast allen Bienen, so daß ich sicher bin, daß die Königin nicht darauf ist.
  • ich benötige 2 aufgesetzte HR, in denen ich eine Gasse erstelle (herausnehmen der HW).
  • ich setzte die BW in diese Gasse und warte ca. 2 - 3 Stunden. Dann sind die notwendigen Pflegebienen von unten durch das Absperrgitter auf diese Wabe geklettert und die Königin bleibt ausgesperrt. Dann kann diese Wabe wie oben verwendet werden für einen Bturableger.


Wie züchte ich?

Wie beim Brutableger, nur daß die Zuchtlatte statt der offenen Brutwabe eingefügt wird.

Um schnell genug genügend Pflegebienen oben zu haben, empfiehlt es sich, insgesamt 3 Gassen in den beiden HR frei zu machen:

2 für offene Brutwaben,

1 in der Mitte für die Zuchtlatte.

Die beiden offenen Brutwaben sollte man, wenn man nicht sicher ist, ob die Königin darauf sitzt, wieder vorher von den Bienen befreien und ca. 2 Stunden vor dem Umlarven oben einhängen.


Wie geht das mit Varroabehandlung?

Das ist simpel, da es genauso geht wie bei den 2-Zargern. Allerdings sind die Mengen zu reduzieren. Man rechnet:

2-Rähmchen DNM = 1 Rähmchen DNM 1,5.

Also kann man entsprechend die Mengen wie folgt umrechnen:

2ml pro DNM-Rähmchen oder 3ml pro 1,5 DNM-Rähmchen.


Was fehlt noch? Hier ein paar Literatur hinweise:

Imkern mit Dadant von Imkerei Schwarz, Eigenverlag, Bestellung siehe:
http://blog.apis-mellifera.de/?page_id=455


Natrlich imkern in Großraumbeuten, Melanie von Orlow, www.ulmer.de, ISBN 978-3-8001-7762-2


Viel Spaß mit der Großraumbeute wünscht

Dietmar


 

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